Die große Orgel im Mariendom

Die Domorgel vor 1945 (linkes Bild) und 2007 (rechtes Bild)
Die Orgel des Mariendomes zu Hildesheim wurde 1989 durch die Firma Klais/Bonn unter Wiederverwendung von Gehäuse, Prospekt (Architekt Wolf) und Pfeifenmaterial der Orgel von 1960 (Breil/Dorsten) erbaut. Sie verfügt heute bei 4 Manualen und Pedal über 66 Register und ist somit die größte der reichen Hildesheimer Orgellandschaft (u.a. St. Andreas, Beckerath IV/64 und St. Michael, Woehl III/62). Eine Besonderheit stellen die horizontalen Zungenstimmen in 16'-, 8'- und 4'-Lage dar, die der Orgel ein ganz besonderes klangliches Gepräge geben. 2006 wurde das Instrument durch Fa. Klais ausgereinigt und durch Frank Retterath in Fa. Klais behutsam nachintoniert.
Die Geschichte der Domorgeln lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Vor 1378 befand sich eine Orgel im Nordschiff über der Kapelle der Heiligen Drei Könige. Dieses Instrument wurde im 15. Jahrhundert auf den neu erbauten Godehardichor, also in den Raum über dem Nordparadies versetzt, ehe es 1713 schließlich veräußert wurde.
Die Disposition einer großen Orgel findet sich erstmalig zu dem 1616/17 durch Meister Conrad Abtt (Minden) erbauten Instrument (II/Ped./31). Grundlegende Umbauten nahmen 1682-84 Tobias Bader (Westfalen) und vor allem Matthias Naumann (Frankfurt/Main) in den Jahren 1704-06 vor. Die Prospektgestaltung, die Naumann nur leicht veränderte und ergänzte, behielt Bestand bis zur Zerstörung des Domes am 22. März 1945. Eine Disposition aus dem Jahr 1738 weist die Orgel als dreimanualiges Instrument – Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk – mit 41 Registern aus. Im 19. Jahrhundert kommt es immer wieder zu meist modebedingten Veränderungen. Das Rückpositiv wird 1882/83 als Unterwerk in das Hauptgehäuse der Orgel umgesetzt. 1899 verfügt die Orgel bei weiterhin drei Manualen und Pedal über 43 Register.
1909 kommt es unter Beibehaltung des vorhandenen Orgelprospekts zu einem Neubau (III/Ped./54) durch die Firma Furtwängler & Hammer (Hannover). Im Zuge des Wiederaufbaus des zerstörten Domes baut Fa. Breil (Dorsten) 1960 ein 52-registriges Instrument, das neben der klassischen Werkaufteilung (Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk, Pedalwerk) als besonderes „Highlight“ über eine aus drei Registern bestehende Batterie spanischer Trompeten verfügt, die über ein 4. Manual angespielt werden können. Nicht ausreichende Grundtönigkeit und große technische Probleme führten 1989 schließlich zum technischen Neubau (IV/Ped./66) durch Fa. Klais (Bonn). Die Prospektgestaltung von 1960, die Stil und Empfinden der 50-er und 60-er Jahre ausdrückt, wurde auf Anordnung des Denkmalamtes übernommen.
Disposition der großen Orgel im Mariendom (pdf, 110 KB)
