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Wettbewerb Haus Wohldenberg

Der Ort

Die Bildungsstätte Haus Wohldenberg ist seit 1946 die Jugendbildungsstätte der Diözese Hildesheim und des Bundes der katholischen Jugend (BDKJ).

Sie liegt am Fuß der Burg Wohldenberg, die erstmalig im Jahre 1172 urkundlich erwähnt wurde und die sich ca. 120 m (218 m ü.NN) über das Nettetal erhebt. Der historisch bedeutende Ort liegt am Kreuzungspunkt zweier Handelswege, der Frankfurter Straße und dem Handelsweg von Hildesheim nach Goslar. Die umliegende Landschaft ist geprägt von dörflichen Strukturen und weiter Acker- und Weidelandschaft.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Wohldenberg schrieb der emeritierte Bischof Dr. Josef Homeyer über den Ort:

"Wohldenberg, das ist ein herausragender Ort der Freude an der Kirche. Gewiss kein Ort idyllischen Rückzugs und romantischer Verklärung, kein Ort der Selbstgenügsamkeit, sondern der immer neuen Öffnung für die "Zeichen der Zeit" in Kirche und Gesellschaft, kein Ort des Vergessens, sondern des kritischen Engagements, kein Ort vage schweifender Utopien, sondern befreiender Hoffnung. Das Haus liegt auf dem Berg, aber es ist immer "unten" beim lebendigen Menschen verankert"


Die Aufgabe

Zunächst ist eine Verbesserung des Zimmerangebotes im Hubertushaus I und II beabsichtigt, d.h. das Raumangebot für Übernachtungen soll den heutigen Ansprüchen angepasst werden. Es sollen ansprechende Einzelzimmer mit direkt zugeordneten Sanitärräumen entstehen. Entsprechende Gemeinschaftsräume sind vorzusehen.

Dabei ist gewünscht, den oben zitierten Geist des Ortes erfahrbar und erlebbar zu machen.

Es wird erwartet, dass der Neubau des Hubertushauses I und II in einer zeitgemäßen Architektursprache erscheint, der auch heutige ökologische und energetische Standards reflektiert und der sich in einer angemessenen Form mit dem Bestand auseinandersetzt. Alt und Neu, Tradition und Moderne, sollen dabei nicht gegeneinander stehen, sondern sich zu etwas Neuem verbinden, das neue Akzente und Maßstäbe für das Gesamtensemble setzt.

Durch die Neubaumaßnahme soll der Wohldenberg attraktiver werden und das Haus langfristig in seiner Existenz abgesichert werden. Das betriebswirtschaftliche Ergebnis soll unter anderem durch effektivere Betriebsabläufe verbessert und die Umweltstandards angehoben werden.

Die zentrale Bedeutung des Hauses für das Bistum wird durch eine Reihe von Tagungen und Kongressen verdeutlicht, die im Haus stattfinden. Der Wohldenberg, als ein großes Haus mitten in Deutschland, hat für das Bistum, aus Sicht der Geschichte des Wohldenbergs und der zukünftigen Aufgaben eine herausragende Funktion als Imageträger. Auch dieser Aspekt sollte in der Architektursprache einen entsprechenden Ausdruck finden.

Der 2001 neu gebaute Saal-Anbau muss erhalten und sinnvoll integriert werden.


Die Beurteilung

1. Preis Arch. Wiblishauser , Wolfenbüttel

Diese Arbeit setzt einen selbständigen solitären Baukörper dem Bestand entgegen. Außenraum, Plätze und Baukörper bilden eine spannungsvolle Einheit. Sonderformen an den Gebäudeecken stellen einen formale Brücke zwischen den unterschiedlichen Bauformen her.

Das Eingangsfoyer wird großzügig überarbeitet und mit einem neuen Treppenraum und Aufzug interessant aufgewertet. Hier ergeben sich bereits erste Ausblicke auf das Außengelände. Ein gerader Gang, sehr transparent gestaltetet, verbindet den Altbau mit dem Neubau und lässt eine optische Verbindung zwischen der Arena und dem Hubertushof zu. Er endet in einer anspruchsvollen Foyerzone, die multifunktional mit einem Gruppenraum verbunden ist.

Die Wohnbereiche schließen sich hinter weiteren Funtionsräumen an. Die Flure werden durch Verweilzonen vor den Zimmern aufgelockert. Die Anordnung der Gruppenräume am Ende des Gebäudes ist gelungen. Die Verbindung des Eingangsfoyers über die Terrasse mit der Kapelle wurde als besonders begrüßt. Die Gebäude passen sich auch in ihrer äußeren Gestaltung durch einfache Lochfassaden harmonisch dem Bestand an, ohne sich anzubiedern.

Die Formsprache ist klar, mit differenzierter Akzentsetzung durch die organischen Formen an den Ecken und große Öffnungen, die die beeindruckende Landschaft in das Gebäude lassen. Der Entwurf schafft es mit einfachen Mitteln Bestand und Neubau zu einem harmonischen Ganzen zu verschmelzen.

2. Preis Arch. Herbote, Braunschweig

Der Lageplan zeigt einen einfachen selbständigen Bauköper in der Lage des heute vorhandenen Bestandes. Die Mehrzweckhalle (Bestand) fügt sich wie selbstverständlich an. Die Erschließung erfolgt über den heutigen Haupteingang. Das Foyer erweitert sich in einen großzügigen Treppenraum mit Anbindung an den Speisesaal.

Der Erschließungsgang erweitert sich in eine interessante Foyerzone mit Blick in den Hubertushof. Die Funktionen sind gut angeordnet. Die Unterbringung der Gruppen in abtrennbaren Bereichen ist ebenfalls gut gelöst. Die Aufenthaltsräume in den Etagen sind etwas klein geraten, dafür sind die Freisitze als Erweiterung der Aufenthaltszonen (zumindest bei guter Witterung) eine schöne Ergänzung.

Der Entwurf zeigt sich auch in seiner äußeren Gestaltung jenseits jeder "Effekthascherei", sondert stapelt die Funktionen nüchtern übereinander, bei einer äußerst disziplinierten Fassadengliederung. Die Proportionierung der Baumasse ist gelungen, dem gesamten Bau haftet sogar eine gewisse Leichtigkeit an. Innen und Außen scheinen sich zu verbinden.

Es ist gelungen mit einer modernen Formensprache, die das Alte akzeptiert und selbstverständlich seinen Platz lässt, einen neuen und zeitgemäßen Akzent für den Wohldenberg zu setzen, der beides, Alt und Neu verbindet und zugleich neu schafft.


Ankauf Arch. Sauer, Hildesheim

Diese Arbeit gliedert die verschiedenen Funktionsbereiche einzelnen Baukörpern zu, die als selbständiges Quartier hinter den Bestandsgebäuden sauber und klar gegliedert angelegt werden. Der vorhandene Saal wird gut einbezogen. Die gewünschte Unterbringung von zwei Besuchergruppen in getrennten Beleghäusern ist gut gelöst.

Die Grundrisse und auch die Fassaden sind gut durchgearbeitet und klar gegliedert. In der Dachlandschaft wird erkennbar, dass eine Verknüpfung von Alt und Neu nicht gewollt ist oder nicht entsteht.