Fünfter Fastensonntag: Zukunft für die nach uns
Am Ziel: Welt und Hoffnung teilen

Ausschnitt aus dem Misereor Hungertuch 2009 „Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können“ von Tony Nwachukwu © 2009 MVG, Aachen
Das Leben als letzte Gelegenheit?
Von der Angst, etwas zu versäumen
"Umwelt" wird in Zeiten globaler Vorgänge wie Klimawandel, Bodenerosion, Trinkwassermangel, Meeresverschmutzung, Biodiversitätsschwund, Bevölkerungszunahme ein immer knapperes Gut. Der Himmel ist weit, die Lebenszeit knapp, die Sicherheitsbedürfnisse groß. Die heimliche Angst, im Leben etwas zu versäumen, ist auch groß. Welcher Raum bleibt da für eine gerechte Verteilung der Güter auf der Erde in einer "sozialen Weltmarkt-Wirtschaft", welcher Raum für das Welterbe, auskömmlich für die zukünftigen Generationen?
Kann es eine missionarische Weltkirche geben, die die Fragen der Gerechtigkeit allein der Sphäre der Politik überläßt, sich selbst aber auf Appelle an die Politik beschränkt? Müssen wir und unsere Kirchengemeinden nicht auch selbst wenigstens so weit von dieser Welt sein, dass wir unseren eigenen Umgang mit endlichen Ressourcen, unseren eigenen Lebens- und Konsumstil an Maßstäben von Gerechtigkeit und globaler Fairniss überprüfen?
Unsere Frömmigkeit sollte eine Frömmigkeit mit dem Gesicht zur Welt sein, nicht eine mit dem Gesicht von der Welt abgewandt oder gar der Vergangenheit zugewandt. Keine Frömmigkeit, die sich selbst genug ist, sich selbst feiert. Keine milieubereinigte Sonntagsgottesdienst-Frömmigkeit. Eine mit Gott und Welt versöhnte und versöhnende Frömmigkeit. Die - wie Franziskus - den Tod als Schwester und Bruder anredet. Die mich zu mir selbst kommen, meine Fähigkeiten und meine Grenzen kennen und anerkennen läßt. Die alle Menschen zu Schwestern und Brüdern macht. Die zu teilen versteht und Anteil nimmt. Die nicht Anstoss nimmt, sondern anstösst.
Würden wir als Christen uns abkoppeln von welthaften und weltlichen Nachhaltigkeitssorgen, wäre uns das Leid der heutigen und künftigen Verlierer und Unterlegenen des Klimawandels gleichgültig. Bliebe damit nicht auch das Gedächtnis von Leiden, Tod und Auferstehung unseres Herrn ohne Folgen? Doch die Welt, im Licht der Osterhoffnung gesehen, wird eine Welt, in der es sich für alle zu leben lohnt.
