Ökumenischer Kreuzweg 5. Station: Salzgitter-Lebenstedt nach Schacht Konrad, 21.03.2010
Am Klima-Kreuz: Schacht Konrad
Als dieser Ökumenische Kreuzweg vor dem Betriebsgelände des Asse II-Bergwerks vor fünf Sonntagen bei schönem Winterwetter begann, wurde dort die Ortstafel ASSE II ans Kreuz geheftet. Die Menschen, die das Kreuz zuerst im rheinischen Braukohlerevier getragen und es uns für unseren „Kreuzweg von der Asse zum Schacht“ überlassen hatten, nannten das Kreuz das „Klimakreuz“. Denn sie hatten ihm die Inschrift „Verheizte Heimat“ gegeben und ihm Ortstafeln von Orten, die dem Tagebau weichen müssen, angeheftet.
Am 2., 3. und 4.Sonntag des Ökumenischen Kreuzweges wurden drei weitere Ortstafeln ( Doba, Trinidad, Arlit ) angebracht: Die „verheizte Heimat“ wurde dabei zur „aufgeheizten Erde“, und es wurde an die Zerstörung von Heimat durch Energiekonzerne in fernen Weltgegenden erinnert:
In Doba im Tschad geht durch eine aggressive Ölförderung unter Führung von Esso landwirtschaftliche Fläche verloren. Die Menschen müssen weg. Arbeitsmigranten kommen, die Menschen lebten in Armut, jetzt aber im Elend.
Trinidad im Partnerland Bolivien leidet immer stärker an den Klimafolgen durch wiederkehrende und stärker werdende verheerende Überschwemmungen. Das können nur die ändern, die den Hauptanteil der Klimagase emittieren.
In Arlit im Niger fördern die großen Player der Kernenergiewirtschaft unter menschenunwürdigen und umweltzerstörenden Bedingungen Uranerz. Die Herkunft der Kernbrennstoffe ist nicht weniger desaströs als ihr vorläufiges Ende bei uns. Aber die Menschen dort haben kein Bundesamt für Strahlenschutz. Mitgebrachte Strahlenmessgeräte werden konfisziert und unbrauchbar gemacht.
Mit dem Anheften der Tafeln haben wir unsere Solidarität bezeugen wollen mit den Menschen, die in der weiten Welt auf den Energierohstoffmärkten an den Rand gedrängt und ausgebeutet werden und deren Länder um ihre Entwicklung betrogen werden. Wir haben versucht zu verstehen, dass unser Energiehunger und unser Lebensstil mit ursächlich sind für die Menschenrechtsverletzungen und die krassen Umweltverwüstungen auf den Rohstoffmärkten dieser Welt. Wir haben versucht uns als die Hauptverantwortlichen des Klimawandels zu orten.
Das Leitwort der Fastenzeit heißt „Gottes Schöpfung bewahren, damit alle leben können“. Das benennt einen weltweiten Wirkungskreis mit großem Ausblick auf die zukünftigen Menschen. Wir haben diese Weite des Blicks der Verantwortung in einem großen Bogen nach zu zeichnen versucht.
An der 5. und letzten Station des Ökumenischen Kreuzweges heften wir die Tafel „Schacht Konrad“ ans Kreuz.
Wir bezeugen damit unsere Solidarität mit allen, die von den vergangenen und künftigen Ereignissen hier unmittelbar oder mittelbar betroffen sind.
Wir zeigen uns auch solidarisch mit denen, deren Sorge ist, auch hier sei nur wieder Stückwerk im Gange, während der Mut fehle, über Endlagerung im Ganzen und im Gesamtzusammenhang offensiv transparent zu reden.
Wir sind auch solidarisch mit denen, die voller Wut über das Laufzeitverlängerungspokerspiel sind.
Am Schacht Konrad stärken wir, Katholikinnen und Katholiken im Bistum Hildesheim zusammen mit unseren evangelischen Schwestern und Brüdern, auch dem Bundesumweltminister Röttgen den Rücken, um einen strikten Ausstiegskurs aus der Kernenergie zu halten. Alle Energien müssen in Entwicklung, Aufbau und Ausbau regenerativer Energien gesteckt werden.
Ansgar Holzknecht, Umweltbeauftragter des Bistums Hildesheim
