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21.08.2012

Glasperlen weisen den Weg

Grabungsfunde beim Hildesheimer Dom untermauern These von Keimzelle des Bistums

Hildesheim (bph) Vor etwa 1200 Jahren fand die junge Frau ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof der ersten Hildesheimer Christen. Eine Kette aus Glasperlen und ein Eisenmesser liegen bei dem Skelett, das jetzt im Durchgang neben der alten Dom-Sakristei von Archäologen entdeckt wurde. War hier die Keimzelle des Bistums und der Stadt Hildesheim?

Pressefoto Das Grab der Frau aus der Zeit um 800: Unterhalb des Kopfes finden sich Glasperlen einer Kette, auf dem linken Beckenknochen erkennt man schemenhaft das verrostete Messer. © bph Bild vergrößern

Rot, blau und grün heben sich die zwischen einem und einem halben Zentimeter großen Glasperlen vom umliegenden Erdreich ab. Sie liegen direkt unterhalb des Schädels der Toten, wo sie in der Zeit um 800 ihren Hals schmückten. Das Messer ist völlig mit Rost bedeckt und liegt auf Höhe des linken Beckenknochens. Die Zähne lassen vermuten, dass die Frau zwischen 20 und 30 Jahre alt geworden ist. Von den bisher freigelegten 20 Gräbern ist dies das erste, bei dem ein Schmuckstück gefunden wurde. Grabbeigaben waren vor der Christianisierung üblich, in der Übergangszeit von den heidnischen Sachsen zu den missionierten Franken ging das zunehmend zurück. Das Bistum Hildesheim wurde 815 durch Ludwig den Frommen gegründet.

„Es spricht einiges dafür, dass wir hier auf der Keimzelle des Bistum stehen“, sagt Diözesankonservator Prof. Dr. Karl Bernhard Kruse. Bis zu dem Beginn der Ausgrabungen 2010 in und um den Dom war völlig unbekannt, dass an dieser Stelle ein Friedhof existierte. Auch unter dem jetzigen Mittelschiff wurden bereits Gräber aus dem Zeit um 800 gefunden, die aktuellen Funde belegen die Ausdehnung nach Süden. „Es liegen hier wohl 200 bis 300 Gräber“, betont Kruse die Ausmaße. In direkter Nähe des aktuellen Grabfundes wurden außerdem Reste von drei Steinhäusern freigelegt. Dies könnte der ehemalige Herrensitz von „Hilduin“ sein, dem Namensgebers der Stadt.

Die Grabungen bis in zwei Meter Tiefe zeigen, dass der älteste Friedhof des Bistums sehr dicht belegt war. Es gibt mehrere Reihen nebeneinander und die Ruhestätten sind in der für christliche Grablegungen typischen Ost-West-Richtung ausgerichtet. Vermutlich wurde die Ruhe der Toten aber bereits um 830 durch den Bau der Kathedralkirche von Bischof Gunthar gestört, dem ersten Oberhaupt des neuen Bistums. Damit ist es nun endgültig vorbei: Der gesamte Kopfbereich sowie das Messer sollen im Block geborgen und für weitere Untersuchungen gesichert werden.

Video zum Grabfund