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13.03.2013

Trelle wünscht Papst hörendes Herz

Im Bistum begrüßte Glockengeläut das neue Kirchenoberhaupt. Erste Reaktionen zu Papst Franziskus aus dem Bistum.

Bischof Norbert Trelle hat Papst Franziskus zu seiner Wahl gratuliert. Der neue Papst möge ein hörendes Herz haben – für den Auftrag Gottes an ihn und für die Sorgen der Menschen in unserer Zeit, erklärte der Bischof. Im ganzen Bistum Hildesheim hat das Geläut von Kirchenglocken den neuen Papst begrüßt.

Pressefoto
Der neue Papst Franziskus I.
© KNA

In einer ersten Stellungnahme erklärte Trelle, auf den Papst warteten gewaltige Aufgaben: Das Zueinander von Weltkirche und Ortskirche müsse neu justiert werden, eine Kurienreform stehe an, und die Verantwortung von Frauen in der Kirche brauche eine Stärkung. In der Ökumene warteten viele Menschen auf neue Impulse, in vielen Ländern der Erde brenne die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, auch die ökologischen Herausforderungen wachsen.

Die intensiven Beratungen der Kardinäle in den vergangenen Wochen hätten deutlich gemacht, wie wichtig eine wirkliche Kollegialität bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben sei. „Gerade deshalb bin ich mit vielen anderen gespannt darauf, welche Antworten Papst Franziskus den fragenden Menschen unserer Zeit geben wird“, sagte Trelle.

Die Herkunft des neuen Papstes aus Lateinamerika unterstreiche die wachsende Bedeutung der Weltkirche. Sein persönlicher Lebenswandel sei prophetisch: bescheiden und volksnah, er sei als Kardinal der Armen bekannt.

Die zügige Wahl nach nur wenigen Wahlgängen zeige, welch großes Vertrauen die Kardinäle in den neuen Papst setzen. Sie seien ganz offensichtlich mit großer Einigkeit davon überzeugt, dass er alle Voraussetzungen erfülle, die Kirche in diesen schwierigen Zeiten zu führen.

Die Vorsitzende des Diözesanrates und des Landeskatholikenausschusses, Elisabeth Eicke, sagte, der Name des neuen Papstes sei Programm. Eicke: „Franziskus kann nur stehen für eine Kirche bei den Menschen, die sich an die Seite der Ausgegrenzten und Armen stellt. Der neue Papst hat – so demütig und bescheiden er sich auf dem Balkon gezeigt hat – den Eindruck vermittelt, dass auch für ihn der Tag seiner Taufe der größte Tag in seinem Leben als Christ ist und nicht der Tag der Papstwahl.“ Das sei ein großes Zeichen für die ganze Kirche, weil die Taufe der Ursprung unser aller christlichen Lebens ist. „Ich hoffe, dass der Papst für die weltweite Einheit, Hoffnung und Verantwortung aller Katholikinnen und Katholiken steht“, sagte Eicke.

Propst Martin Tenge, Dechant der Katholischen Kirche in der Region Hannover, gratuliert Papst Franziskus: „Das ist ein Papst für unsere Zeit." Er sei offenkundig tief verwurzelt im Glauben und gleichzeitig den Menschen zugewandt. Mit der Wahl des Namens Franziskus mache er deutlich, dass er für alle Menschen und besonders für die Armen ein weites Herz hat. Vom neuen Papst wünscht sich Tenge, dass er der Kirche keine Denkverbote auferlegt. „Wir müssen über die heißen Eisen der Kirche reden können – über den Zölibat genauso wie über Sexualmoral und die Rolle von Frauen. Nur im Gespräch haben wir die Chance, auch den Sinn kirchlicher Gesetze zu erklären.“ Franziskus, hofft Tenge, wird ein Glaubenszeuge sein, der die Menschen mit seiner Begeisterung ansteckt: ein „großer Bruder im Glauben“ für die Christen.

„Ich wünsche ihm Entschiedenheit, Geduld und Menschen an seiner Seite, denen er voll vertrauen kann, die kritisch denken, aber im Interesse der Kirche handeln“, sagt Propst Bernd Galluschke, Dechant der katholischen Kirche im Untereichsfeld. Die Aufgaben, die vor dem neuen Papst liegen, sind groß: „Er muss die Kurie reparieren. Der Apparat ist in die Jahre gekommen und braucht Reformen.“ Außerdem wünscht sich Propst Galluschke, dass Papst Franziskus hartnäckig die sozialen Missstände in der Welt anprangert – von den Flüchtlingsströmen, die weltweit ihre Heimatländer verlassen müssen, über die mangelnde Religionsfreiheit in vielen Ländern bis zu der Armut, die es auch in der westlichen Welt gibt. Diesen Menschen würde Propst Galluschke gerne das Signal geben: Der neue Papst hat auch ihre Nöte im Blick. „Die Kirche darf nicht ihre eigenen Wunden lecken, sondern muss nach draußen gehen. Dass Papst Franziskus sich in diese Richtung bewegen wird, darauf weist schon sein bisheriger Lebensstil und sein Name hin.“

Der Braunschweiger Propst Reinhard Heine wünscht Papst Franziskus viel Kraft und Gottes Segen für sein Amt. Vom ersten Auftreten des neuen Papstes sei er sehr angetan: „Er macht auf mich einen sehr zurückhaltenden, stillen Eindruck – als ob er es selbst kaum glauben könnte, dass er jetzt dieses Amt übertragen bekommen hat. Die Geste, sich vor den Menschen zu verneigen und sie um Gebet und Segen zu bitten, fand ich sehr anrührend. Das hat mich sehr beeindruckt.“ Wunder erwarte er vom neuen Papst nicht, aber sein Herz schlage offensichtlich für die Armen. "Sein Engagement für notleidende Menschen setzt ein Zeichen. Ich denke, das ist ein guter Weg“, so Heine.


Die kompletten Stellungnahmen: 
Bischof Norbert Trelle
Elisabeth Eicke, Vorsitzende des Diözesanrates
Propst Martin Tenge
Propst Bernd Galluschke
Propst Reinhard Heine