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Charismatische Erneuerung

Entstehungsgeschichte

Die Charismatische Erneuerung ist dadurch entstanden, dass Menschen eine persönliche Begegnung mit Gott erfahren haben, die ihr Leben entscheidend veränderte. Sie erkannten darin für ihr persönliches Leben, was Papst Johannes XXIII. für die ganze Kirche und Welt erflehte: eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes. Innerhalb der katholischen Kirche war der Ausgangspunkt dieser geistlichen Bewegung der 18.2.1967: Während eines Seminars über den in der Apostelgeschichte dargestellten Anfang der Kirche, erlebten einige Studenten und Professoren der Duquesne-Universität/USA eine neue Erfüllung mit dem Heiligen Geist. In erstaunlich kurzer Zeit wurde vielen Menschen, mit denen sie darüber sprachen und um den Geist beteten, eine ähnliche Geist-Erfahrung geschenkt.

In wenigen Jahren breitete sich dieser geistliche Impuls über die ganze Welt aus; Ordensangehörige brachten ihn nach Europa und Deutschland. Kristallisationspunkte dieses Erneuerungsprozesses sind vor allem die offenen pfarrlichen oder überpfarrlichen Gebetsgruppen, auch in der Form von Hauskreisen. Das Ziel der Zusammenkünfte ist eine Verlebendigung der Gottesbeziehung und eine Ermutigung zum Dienst in der Kirche und Gesellschaft. Ausgangspunkt dafür ist jedoch nicht in erster Linie die willentliche Entscheidung oder der moralische Appell, Gutes zu tun, sondern das Gebet, dass Gott den Einzelnen und die Gemeinschaft mit der Kraft seines Heiligen Geistes erfüllt. Gemäß der Botschaft Jesu ist eine wichtige Voraussetzung dazu die persönliche Umkehr.

Dieser Schritt geschieht oft durch eine Erneuerung des Taufbekenntnisses, d.h. in der ausdrücklichen Bejahung, dass Jesus Christus der Herr des eigenen Lebens ist. Von Zeit zu Zeit werden Glaubenskurse angeboten, die – wie die Gebetsgruppen – einer Verlebendigung des Glaubens dienen und nicht darauf angelegt sind, Menschen für die ”Charismatische Erneuerung” zu gewinnen. Es gibt grundsätzlich keine ”Mitgliedschaft”. In der Bundesrepublik nehmen etwa 12 000 Personen aus allen Altersstufen und Berufsgruppen regelmäßig an Gebetsabenden teil, und zwar in über 800 Gruppen oder Hauskreisen; weltweit sind es zurzeit etwa 20 Millionen Katholiken.


Schwerpunkte des geistlichen Lebens

Grundausrichtung ist die Frage nach dem Willen Gottes und der Leitung des Heiligen Geistes, unter anderem durch regelmäßige Schriftlesung, tägliches persönliches Gebet und Offen-Sein dafür, welche Impulse und Gaben des Geistes dem Einzelnen im Alltag von Gott geschenkt werden (Paulus beschreibt einige dieser Gaben besonders im 1. Korintherbrief, Kapitel 12 – 14). Das gemeinsame Beten ist geprägt durch Dank, Anbetung und Lobpreis für Gottes Gegenwart sowie durch Fürbitte; häufig werden dabei innere und äußere Heilungsprozesse angestoßen. Da viele Teilnehmer bereits in kirchlichen, wirtschaftlichen oder politischen Aufgaben stehen, sind Gebetsgruppen in der Regel nicht ohne weiteres auch ”Aktionsgruppen”, sondern zuerst Gebets- und Gottesdienstgemeinschaften. Sie wollen die Einzelnen befähigen, das Wort Gottes im Alltag zu verwirklichen und auf diese Weise an der Erneuerung von Kirche und Gesellschaft mitzuwirken. Der Name Erneuerung will ausdrücken, dass sich dieser geistliche Aufbruch als Beitrag zur Erneuerung der Kirche in ihren Gemeinden versteht.

Es werden häufig Aufgaben im Pfarrgemeinderat und anderen pfarrlichen Gremien, bei der Gottesdienstgestaltung, als Helfer in der Kommunion- und Firmvorbereitung usw. übernommen. Da aber jeder seine Begabung (sein Charisma) finden und ausüben soll, gibt es grundsätzlich keine Festlegung auf bestimmte Zielgruppen oder Dienste in der Kirche. Darüber hinaus drängt die geistliche Dynamik immer wieder in den gesellschaftlichen Raum, so dass sich Menschen – auch als verbindliche Lebensgemeinschaften – bestimmten Aufgaben widmen (Menschen in sozialen Brennpunkten, Unterstützung von Asylanten und politisch Verfolgten in deren Heimatländern u. a. m.). Gemeinsam ist jedoch von Anfang an der Dienst des Gebetes und der Fürbitte – auch in Segnungsgottesdiensten -, der Dienst des Zeugnisses und der Ermutigung zum Glauben (vgl. das Apostolische Schreiben von Papst Paul VI. über die Evangelisierung in der Welt von heute). Das Wissen um die Gegenwart Gottes und die Erfahrung seiner Nähe erweisen ihre Echtheit vor allem darin, dass sie den Glauben stärken und daraus die Kraft zuwächst für das alltägliche Leben in Familie, Beruf, Gemeinde und Gesellschaft.