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Maria Kuschel
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Fokolar-Bewegung

Entstehungsgeschichte

Die Fokolar-Bewegung ist 1943 in Trient entstanden. Ihr Name kommt aus dem Volksmund und bezieht sich auf das italienische Wort ”focolare”, ”Feuerstelle”, ”Familie”. Es war Chiara Lubich, die mit ihrem Ja auf den Ruf Gottes den Weg bahnte. Ihre entscheidende Entdeckung, dass Gott Liebe ist, teilte sie schon bald mit einer Gruppe junger Frauen, den ersten Fokolarinnen. Diese erste Gruppe lebte in den Wirren des Krieges sehr engagiert aus dem Wort Gottes. Dabei sind ihnen in wenigen Monaten viele Grundwahrheiten des christlichen Glaubens ganz neu aufgegangen. Bereits nach einigen Monaten intensiven Lebens nach dem Evangelium bildete sich um jene erste Gruppe eine Gemeinschaft von über 500 Menschen aus allen Altersstufen und sozialen Schichten. Sie wollten nichts Neues; sie wollten das Evangelium leben und ihren Beitrag zur Verwirklichung des Testamentes Jesu geben: ”Alle sollen eins sein ...” (Joh. 17).

In kurzer Zeit verbreitete sich die Fokolar-Bewegung in ganz Italien und weit darüber hinaus. Inzwischen ist sie in 184 Ländern aller Kontinente verbreitet. 1962 erhielt die Bewegung, die offiziell den Namen ”Werk Mariens” trägt, durch Papst Johannes Paul XXIII. die kirchliche Anerkennung. Anfang der sechziger Jahre kam es in Deutschland zu ersten ökumenischen Begegnungen, die schon bald zu einer ökumenischen Ausrichtung der gesamten Bewegung führten. Die Zugehörigkeit ist konfessionell nicht abgegrenzt. Ein großer Prozentsatz ihrer Angehörigen ist katholisch, bedingt durch die Entstehung in der katholischen Kirche. Der Anteil anderer Konfessionen nimmt jedoch zu. Durch die wachsende Verbreitung der Bewegung in Asien und Afrika entstanden schließlich intensive Beziehungen zu Glaubenden anderer Religionen, insbesondere zu Buddhisten und Muslimen.

Den tragenden Kern der Fokolar-Bewegung bilden die FOKOLARE, kleine Frauen- oder Männergemeinschaften, zu denen auch mit gleichen Rechten und Pflichten Verheiratete gehören. Sie wollen durch ein Leben in der gegenseitigen Liebe ermöglichen, dass Christus selbst gegenwärtig wird, der gesagt hat. ”Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen” (Mt 18,20). Das erste Fokolar entstand 1944 in Trient mit Chiara Lubich und ihren ersten Gefährtinnen. Die FREIWILLIGEN entstanden 1956, sie finden sich in Männer- oder Frauenkreisen zusammen und engagieren sich besonders im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich. Die GEN (Neue Generation) sind Kinder (GEN 4, GEN 3) und Jugendliche (GEN 2). Sie wollen mit der gleichen Konsequenz und Radikalität wie die ersten Fokolare für Gott und die Menschen leben. Auch viele PRIESTER und ORDENSLEUTE orientieren sich an der Spiritualität der Einheit und erfahren in Verbindung mit der Fokolar-Bewegung neue Impulse für ihr persönliches und kirchliches Leben. Die Priester leben als Priester-Fokolare oder Priester-Freiwillige z. T. auch in Wohngemeinschaften.

Spirituelle Schwerpunkte

Gemeinsam ist allen Angehörigen der Fokolar-Bewegung das Leben nach dem Wort Gottes mit Hilfe des monatlichen ”Wortes des Lebens”. Dieses Leben umfasst alle Bereiche des Alltags und führt zu einem lebendigen Erfahrungsaustausch. Etwa 1 400 000 orientieren ihr Leben an diesem monatlichen Wort.

Schwerpunkte der Spiritualität sind:

  • Gott, der geliebt wird als der, der er ist: Liebe.
  • Den Willen Gottes tun als Antwort auf seine Liebe.
  • Den Nächsten lieben, allen absichtslos dienen.
  • Das ”Neue Gebot” verwirklichen – den Willen Gottes, der die Voraussetzung schafft für die Gegenwart und das Wirken Jesu mitten unter den Menschen.
  • Die Gegenwart Jesu in der Gemeinschaft erfahren (Mt 18,20).
  • Die Einheit leben, wie sie Jesus im 17. Kapitel des Johannesevangeliums erbeten hat.
  • Den ”gekreuzigten und verlassenen Jesus” lieben – als Schlüssel zu dieser Einheit.
    Leben nach dem Wort Gottes.
  • Jesus in der Eucharistie begegnen – als Band der Einheit.
  • Wie Maria leben – Vorbild des Christen und Leitbild der ganzen Bewegung.
  • Als Kirche leben in Einheit mit den Verantwortlichen.
  • Wachsam sein für die Stimme des Heiligen Geistes.

Die grundlegende Form des Apostolates ist für jedes Mitglied der Bewegung das Zeugnis durch das eigene Leben: erst danach folgt das Zeugnis durch das Wort. Formen des gemeinschaftlichen Apostolates sind: Begegnungen, Kongresse und Großveranstaltungen, Verlagstätigkeiten (in Deutschland Verlag ”Neue Stadt”), kulturelle Angebote, Initiativen am Arbeitsplatz und Projekte auf dem sozialen Sektor. Darüber hinaus wurden spezifische Initiativen des Apostolates in verschiedenen Bereichen entwickelt: die ”Jugendbewegung”, die ”Neue Gesellschaft”. Diese offenen Bewegungen haben zum Ziel, in allen Bereichen eine Kultur im Zeichen der Liebe aufzubauen.

Modellsiedlungen zeigen, wie ein Leben nach dem Evangelium auf gesellschaftlicher Ebene verwirklicht werden kann. Sie befinden sich in Loppiano (Italien), Montet (Schweiz), Fontem (Kamerun/Afrika), O`Higgins (Argentinien), Sao Paolo (Brasilien), Tagaytay (Philippinen), Ottmaring (Augsburg/Deutschland). Aus dem Blickwinkel der Einheit gesehen, entfalten sich all diese Aktivitäten in vier Richtungen: Die Einheit der eigenen Kirche stärken durch intensiven Leben nach dem Evangelium, besonders auch in den Gemeinden; Mitarbeiten an der Einheit unter den christlichen Kirchen; Dialog führen mit den Glaubenden der großen Weltreligionen; Wege zu den Menschen suchen, die beeinflusst sind vom zeitgenössischen Atheismus.