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Pfarrer Wolfgang Langer
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Priestergemeinschaft "Jesus Caritas"

Charles de Foucauld (1858 – 1916)

Im Frühjahr 1900 schreibt ein Einsiedler in sein Notizbüchlein zwei Worte, die Inhalt und Mitte seines Lebens bedeuten sollen: JESUS – CARITAS. Er heißt Charles de Foucauld. Zunächst hoffte er, in einem Trapistenkloster als Mönch Jesus in seiner Armut nachahmen zu können, entdeckte aber, dass er dort nicht die Armut und Entbehrungen der Menschen seiner Umwelt teilte. Bei den Tuareg in der Sahara findet er schließlich seinen Platz, wo er eine Stätte des Gebetes und der Gastfreundschaft gründet, um den Menschen das Evangelium der Liebe zu bringen, um im Fremden und in den geringsten Brüdern Jesus, den Herrn selbst, zu entdecken. Seine Sehnsucht erfüllt sich nicht, kleine Bruderschaften zu gründen, die so leben wie er. ”Das Weizenkorn muss sterben, damit es Frucht bringt.” Am 1. Dezember 1916 wird der erschossen.

Die Priestergemeinschaft 20 Jahre nach dem Tod von Charles de Foucauld – im Deutschen Bruder Karl genannt – geht die Saat auf. Es entstehen Bruderschaften von Kleinen Brüdern und Kleinen Schwestern. 1952 treffen sich dann Weltpriester aus Frankreich und Afrika, die von der Botschaft Bruder Karls berührt werden: Es gibt nur eine Wirklichkeit, und das ist Gott; und es gibt nur ein Ereignis, das Mittelpunkt der Weltgeschichte ist, dass nämlich Jesus Christus unter uns gewohnt hat. Bald schon bilden sich Bruderschaften in den verschiedenen Kontinenten und Lä ndern. Sie sind erfüllt von einem neuen Suchen, wie Gott mitten in der Welt zu entdecken und zu bezeugen ist und wie sie in brüderlicher Nähe mit den Menschen ihr Lebern teilen können.

In Deutschland treffen sich 1958 die ersten Priester, die im Geiste Bruder Karls Exerzitien machen. In Österreich, in der Schweiz und in Luxemburg geschieht es ähnlich. So entstehen in fast allen Diözesen Gruppen, die ihre eigenen Erfahrungen machen und als Bruderschaften zusammenwachsen. Beim monatlichen ”Tag der Bruderschaften” entspannen sie sich, essen miteinander, tauschen ihre Erfahrungen aus, lesen die hl. Schrift, lassen sich Zeit zum persönlichen und gemeinsamen Gebet, feiern miteinander die Eucharistie und suchen in der Lebensbetrachtung, das Wirken des Geistes Gottes für ihr Leben und ihren Dienst zu erkennen und anzunehmen. Wir werden Jesus und die Menschen nie genug lieben, aber wir hoffen, auf diesem Weg, den uns der Geist Gottes gewiesen hat, in Treue dem Ruf Gottes in unserer Geschichte antworten zu können.


Um Jesu und Evangeliums willen

Unterschiedliche Beweggründe führen Priester zu einer Bruderschaft: Die Erfahrung der Gemeinschaft; die Offenheit unter Brüdern; die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen und angenommen zu werden; die Suche nach neuen Wegen in der Kirche von heute. Letztlich aber kommen wir um Jesu und des Evangeliums willen zusammen. Wir möchten Jesus erfahren, ”um seiner selbst willen geliebt.” Wir begegnen ihm, der in der Welt sein Heilswerk erfüllt. In der Eucharistie erkennen wir ihn als die Mitte des Lebens und des Glaubens.

Das Evangelium ist die befreiende Kraft, in ihm ruft uns der Auferstandene. Wir möchten dieses Wort Gottes in unserer Zeit hören, es wie Maria bewahren, es leben und verkünden. Die Lebensbetrachtung (Revision de vie) ist uns dabei eine große Hilfe, um uns immer wieder zu bekehren und für den konkreten Ruf des Herrn verfügbar zu sein. Allen Menschen Bruder werden Die Begegnung mit Jesus im Evangelium und in der Eucharistie hat Bruder Karl dazu geführt, ihm in seinen Brüdern zu begegnen: ”Was immer ihr einem dieser Geringsten, die meine Brüder sind, tut, das habt ihr mir getan” (Mt. 25). Er hat mit den verlassensten Menschen solidarisch gelebt, um ihr Leben zu teilen und mit ihnen an ihrer Entwicklung zu arbeiten. Das drängte ihn dazu, stets neu den letzten Platz zu suchen.

Als Weltpriester haben wir diese Brüderlichkeit unter den Menschen zu leben, zu denen uns die Kirche gesandt hat. Wir sind für die Verkündigung des Evangeliums verantwortlich. Indem wir das Leben der Menschen teilen und so von ihnen die Liebe zu Jesu lernen, drängt uns das Evangelium, die brüderlichen Geist überall wachsen zu lassen. In der Eucharistie lebt der Herr mit uns und lädt uns ein, mit den Menschen solidarisch zu sein und den am wenigsten Geliebten unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Auch das ist eine Form der Kontermplation. Das Geschenk der erfahrenen Bruderschaft führt zum Versprechen, unser Leben ganz in die Hände Gottes zu legen, einander anzunehmen und die Last des anderen mitzutragen.