Gemeinsam mit Grenzen leben

Bischof Norbert Trelle und Bischof Dr. Wolfgang Huber eröffneten die bundesweite „Woche für das Leben“

Hildesheim/Lüneburg (bph) Entschieden wendet sich der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle gegen ein Menschenbild, in dem Gesundheit und Leistungsstärke zum wichtigsten Maßstab werden. „Menschen mit Grenzen gehören zu unserer Gemeinschaft“, sagte Trelle am Samstag in Lüneburg, wo er gemeinsam mit Bischof Dr. Wolfgang Huber, dem Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die ökumenische „Woche für das Leben“ bundesweit eröffnete.

Die Fortschritte der Medizin seien wichtig, sagte Trelle in Lüneburg. Sie hätten aber auch das Menschenbild verändert: Gesund und leistungsstark zu sein scheine nun jedem Menschen möglich. „Ein solches Menschenbild akzeptieren wir nicht“, stellte Trelle am Rande des ökumenischen Eröffnungsgottesdienstes zur „Woche für das Leben“ in der evangelischen St. Nicolai-Kirche zu Lüneburg klar. Der Mensch sei mehr, als er zu leisten vermöge, so der Hildesheimer Bischof weiter. Er ist endlich, verletzbar und jeder von uns stößt spätestens im Alter an seine Grenzen. „Behinderte früher, aber jeder, Sie und ich, irgendwann auch“, machte der Bischof dann in seiner Ansprache beim Gottesdienst bewusst.

Die „Woche für das Leben“ macht nach Trelles Aussagen klar, dass „menschliches Leben in allen Phasen seiner Existenz und allen seinen, bisweilen nicht perfekten Erscheinungsformen, mit einer von Gott geschenkten Würde ausgestattet ist, die unantastbar bleiben muss“. Große Anerkennung zollte der Hildesheimer Bischof dabei den Pfarrgemeinden – evangelisch und katholisch. Beim Versuch, Menschen mit Beeinträchtigungen in ihre kommunalen Gemeinden zurück zu holen, tragen ehrenamtliche Mitarbeiter in den Pfarrgemeinden nach Trelles Beobachtung viel zur Integration bei. „Pfarrgemeinden sind der perfekte Ort, um diese Herausforderung anzunehmen“, so der Bischof.

Nach dem ökumenischen Gottesdienst wurden der Hildesheimer Bischof und der Ratsvorsitzende der EKD von der „Blue Band“ – in der Behinderte und Nichtbehinderte miteinander trommeln – zum Lüneburger Rathaus begleitet. Unterwegs besuchten sie den „Markt ohne Grenzen“, auf dem sich verschiedene kirchliche Beratungs- und Serviceeinrichtungen darstellten. Im Lüneburger Rathaus wurden Trelle und Huber von Oberbürgermeister Ulrich Mädge empfangen und trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

Die „Woche für das Leben“ wird gemeinsam getragen von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Diese Aktion soll das Bewusstsein für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens schärfen. Daher stellt sie auch immer wieder die Gefährdungen des menschlichen Lebens in den Mittelpunkt. Die erste „Woche für das Leben“ fand im Juni 1991 statt und widmete sich dem „Schutz des ungeborenen Lebens“. Im vergangenen Jahr haben die Veranstalter einen Dreijahreszyklus zum Thema Gesundheit gestartet, der unter dem Hauptmotto steht: „Gesund oder krank – von Gott geliebt“. Während sich Katholiken und Protestanten im vergangenen Jahr die Frage stellten: „Gesundheit – höchstes Gut?“ steht die diesjährige Woche unter dem Motto: „Gemeinsam mit Grenzen leben“. Sie findet statt vom 25. April bis 2. Mai.

Die "Woche für das Leben" im Internet