Aufeinander zugehen

Bischof Norbert Trelle begrüßte Irak-Flüchtlinge im Grenzdurchgangslager Friedland

Hildesheim/Friedland (bph) Mit einer Wortgottesfeier und einem gemeinsamen Mittagessen hat der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle am Samstag die Irak-Flüchtlinge im Grenzdurchgangslager Friedland begrüßt.

So ähnlich muss es aus dem Munde Jesu geklungen haben, das „Vaterunser“ – auf Aramäisch, der Sprache des Mannes aus Nazareth. Am Samstag erklang es wieder, aus dem Munde irakischer Christen. „Das Vaterunser ist ein sehr persönliches Gebet“, erklärt Janusz Mallek, Diakon der katholischen Pfarrgemeinde Maria Frieden in Göttingen, auf deren Gebiet das Grenzdurchgangslager liegt. „Viele der irakischen Christen, die hierher gekommen sind, sprechen eher Aramäisch als Hoch-Arabisch. Daher beten Sie das Vaterunser in dieser Sprache.“

Doch auch das Arabische kam nicht zu kurz bei der ökumenischen Wortgottesfeier am Samstagmorgen in der katholischen Kirche St. Norbert im Grenzdurchgangslager, an der neben dem Bischof und Diakon Mallek auch der Göttinger Dechant Bernd Langer sowie Diakon Hacub Sahinian teilnahmen. Sahinian, Erzdiakon der Aramäisch-Apostolischen Kirche, betreut die irakischen Christen seelsorglich und übersetzte die Worte des Bischofs ins Arabische. Trelle kam zum ersten Mal nach Friedland, das auf dem Gebiet seines Bistums liegt. Es war ihm nach eigenen Worten wichtig, die irakischen Christen persönlich zu begrüßen und so hieß er sie im Namen aller Katholiken des Bistums und Deutschlands herzlich willkommen und versprach, alles zu tun, um ihnen einen Neuanfang in Deutschland zu ermöglichen. Er spreche auch im Namen von Prof. Dr. Friedrich Weber, dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig, betonte Trelle. Weber wäre gerne gekommen, war aber verhindert.

Trelles Versprechen war aber auch als Aufforderung zu verstehen: Er bat die Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden, die irakischen Flüchtlinge nach dem Willen Jesu in ihre Gemeinden aufzunehmen. Auch die Flüchtlinge selbst seien gefragt. Es sei auch an ihnen, Fremdheit zu überwinden, auf die Menschen ihrer neuen Heimat zuzugehen und „Nähe zu gestalten“.

Eine erste Gelegenheit dazu ergab sich beim gemeinsamen Mittagessen im Saal des Caritashauses. Während der Bischof das Tischgebet auf Deutsch sprach, brachten die mehr als 100 irakischen Gäste mit ihren arabischen Gesängen orientalisches Flair in den nüchternen Saal. Monsignore Wolfgang Miehle, Nationaldirektor der Ausländerseelsorge in der Deutschen Bischofskonferenz, war eigens aus Bonn angereist und nutzte die Gelegenheit, um die Flüchtlinge im Namen der gesamten deutschen katholischen Kirche zu begrüßen. Heinrich Hörnschemeyer, Leiter des Grenzdurchgangslagers, wünschte den Flüchtlingen auf der Durchreise in ihre Aufnahmeländer alles Gute. Thomas Heek führte den Bischof dann noch als Caritasleiter zum Jugendclub „Kakadu“, wo die Flüchtlinge sich bei Billard und anderen Spielen von ihren Integrationskursen erholen.

Die irakischen Flüchtlinge im Grenzdurchgangslager Friedland gehören zu jenen 2.500 Irakern, die die Bundesregierung im Rahmen einer europäischen Initiative aufnehmen will. Die meisten von ihnen sind Mitglieder verfolgter Minderheiten, viele davon Christen, aber auch Kriegswitwen mit Kindern. Mittlerweise sind fast 2.000 von ihnen über das Grenzdurchgangslager nach Deutschland gekommen. Viele von ihnen bleiben nur wenige Tage, bevor sie in die einzelnen Bundesländer weiter reisen. Einige jedoch besuchen in Friedland Integrationskurse und lernen dort Deutsch. Die Caritas hilft den Flüchtlingen, indem sie nach Heeks Worten ein Bindeglied bildet zwischen den Angeboten des Grenzdurchgangslager – die stark auf osteuropäische Aussiedler ausgerichtet sind – und den Bedürfnissen der Iraker.