Bildung braucht Religion

Heinz Rudolf Kunze spielte beim Religionslehrertag im Bistum Hildesheim

Hildesheim (bph) Mit einigen Kravatten und noch mehr „Räuberzivil“ hat das Bistum Hildesheim am Donnerstag, 14. Juni, seinen Religionslehrertag im Bischöflichen Gymnasium Josephinum in Hildesheim gefeiert. Die gleichnamige Band mit dem bekannten Musiker Heinz Rudolf Kunze war der Höhepunkt des Programms, bei dem es ansonsten unter dem Motto „Wann wird Religion wichtig?“ ganz nüchtern um Fragen des Religionsunterrichts ging.

Die Gesellschaft ändert sich und vermeintliche Sicherheiten verschwinden. War der Religionsunterricht vor einigen Jahrzehnten noch selbstverständlich, so wird er heute zunehmend hinterfragt. Nicht so beim „Tag der Religionslehrerinnen und Religionslehrer“, der mehr als 200 Lehrkräfte aus dem ganzen Bistum nach Hildesheim führte. Alle Redner waren sich darin einig, dass der Religionsunterricht ein wesentlicher Bestandteil des schulischen Bildungsangebots sein müsse. Trotz des dramatischen demographischen Wandels, des Rückgangs der Taufzahlen und des Bedeutungsverlusts der Kirchen hätten Kinder einen Anspruch auf religiöse Bildung, stellte Privatdozent Dr. Jörg-Dieter Wächter, Leiter der Hauptabteilung Bildung im Bischöflichen Generalvikariat, in seiner Eröffnungsrede fest. Dabei erteilte der Pädagoge aller Resignation eine Absage: Statt alte Positionen festzuhalten und zu verteidigen möchte er die Schüler eher dazu ermutigen, mit Hilfe des Religionsunterrichts Grundfragen des Lebens zu reflektieren. „Bildung ohne Religion bleibt Halbbildung“, ist Wächter überzeugt.

Rückendeckung erhielt der Schulabteilungsleiter vom Staatssekretär im Niedersächsischen Kultusministerium Dr. Stefan Porwol. Auch dieser betonte den Wert religiöser Bildung, denn „der Rückzug auf die Vernunft alleine kann nicht erklären, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammen hält.“ Nur der Rückgriff auf den vermeintlich veralteten religiösen Bildungsvorrat helfe, die Erkenntnisse der Naturwissenschaften in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

Ähnlich sieht das auch Bischof Norbert Trelle, der die Lehrkräfte aufforderte, durch ihre Arbeit den Jugendlichen Nahrung zu geben in deren Fragen und ein „Grundvertrauen in den, der uns sendet“ aufzubauen. Zum Teil sehr persönliche Glaubenszeugnisse aus ihrer Lebensgeschichte steuerten der Regisseur Zoltan Spirandelli, Pfarrerin Christiane Thiel aus Leipzig, die Psychologin Gertrud Cormann-Bergau und Pater Dr. Dieter Haite aus Hannover bei, bevor Prof. Dr. Lothar Kuld von der Pädagogischen Hochschule in Weingarten das Thema aus religionspädagogischer Perspektive beleuchtete.

Musikalischer Höhepunkt des Tages war jedoch unbestritten der Auftritt von Heinz Rudolf Kunze mit seiner Band „Räuberzivil“. In der Schulaula des Josephinums trug der niedersächsische Barde mit Gitarre und Piano einen Querschnitt aus seinem Schaffen vor und wurde dabei von Wolfgang Stute, Hajo Hoffmann und Peter Pichl unterstützt. Der donnernde Applaus und die lobenden Worte des Bischofs nötigten den bekannten Liedermacher zu einer Zugabe, ehe die Lehrerinnen und Lehrer sich dann am Nachmittag in verschiedene Workshops verteilten.

Video zum Religionslehrertag