Da sein wenn es zu Ende geht

Die Mitarbeiter des Magdalenenhof lernen die Kunst der Sterbebegleitung

Hildesheim (bph) Die letzten Tage des Lebens angenehm verbringen und dann in Frieden sterben können, das wünscht sich wohl jeder Mensch. Im Hildesheimer Caritas-Alten- und Pflegeheim "Magdalenenhof" sollen jetzt die Mitarbeiter in der Kunst der Sterbebegleitung geschult werden. Unterstützt wird dieses Projekt von der Bischöflichen Stiftung "Gemeinsam für das Leben".

Menschenwürdiges Sterben gehört zum Leben – nach diesem Grundsatz bemühten sich die Mitarbeiter des "Magdalenenhof" in Hildesheim schon immer sehr intensiv um ihre sterbenden Heimbewohner. Doch die Bedingungen ändern sich: Der Altersdurchschnitt im Magdalenenhof ist über die Jahre ständig gestiegen. Viele der Bewohner sind schwer krank und pflegebedürftig, so dass das Thema "Sterben" immer mehr in den Vordergrund rückt. Früher hätten sich zusätzlich auch die Ordensschwestern des Heimes um die seelischen Bedürfnisse der Sterbenden gekümmert, erzählt Heimleiter Michael Sackmann. Doch die gibt es nicht mehr. Außerdem hat sich längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass jene, die sich um den Leib der Sterbenden kümmern, auch deren Seele in den Tod begleiten sollten: Pflege und Sterbebegleitung aus einer Hand!

Bisher ist das eher intuitiv geschehen: Musik und Aromaöle im Zimmer des Sterbenden, eine kurze Andacht am Bett des Verstorbenen mit Angehörigen und Mitbewohnern und immer wieder Gespräche. Das ist schon viel, den Mitarbeitern des Magdalenenhof aber nicht genug.

Im Rahmen des Projektes "Begleitung Schwerkranker und Sterbender" wollen sie dieses Thema nun mit Hilfe von Experten systematisch bearbeiten. Eine Arbeitsgruppe hat bereits Leitlinien zur Sterbebegleitung erarbeitet. In einem nächsten Schritt sollen Krankenschwester Cordula Funke und die Sozialpädagogin Barbara Bransch gemeinsam mit Kollegen des Heimes St. Monika in Hameln und des Paulusstifts in Göttingen extern von der Theologin Irmgard Abel geschult werden, um ihr Wissen dann in hausinternen Fortbildungen weiterzugeben. Außerdem hat man Referenten zu Vorträgen eingeladen. In jedem Wohnbereich wird zudem künftig ein "Letzte-Hilfe-Kasten" mit Gebetbuch, Rosenkranz, Kerzen und anderen Dingen stehen. "Bisher sind wir in Bezug auf Sterbebegleitung mit dem Fahrrad gefahren, jetzt wollen wir aufs Auto umsteigen", bringt Heimleiter Sackmann die Dinge sehr anschaulich auf den Punkt.

Das alles kostet Geld, und Geld ist knapp in Zeiten magerer Pflegesätze. Eingesprungen ist daher die Bischöfliche Stiftung "Gemeinsam für das Leben" mit einem Betrag von 4.000 Euro, der vor allem in die Schulung der Mitarbeiter fließen wird. "Ich halte es für sinnvoll, wenn die Mitarbeiter des Hauses die Bewohner nicht nur körperlich, sondern auch seelisch pflegen. Ängste und Fragen anhören und bereit sein von eigenen Hoffnungen zu sprechen, das sind wichtige pastorale Aufgaben" begründet Martin Schwedhelm, Geschäftsführer der Stiftung, seine Förderzusage. Dadurch ist zumindest die Anschubfinanzierung gesichert. Doch alle sind sich darüber einig, dass das Projekt auch über diese Förderung hinaus weiter laufen muss. Denn: Sterben gehört zum Leben dazu, gerade in einem katholischen Haus.

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Hintergrund

Die Stiftung "Gemeinsam für das Leben" wurde vom Hildesheimer Bischof Dr. Josef Homeyer im Jahre 2001 gegründet. Sie tritt für die Achtung vor dem Leben ein und fördert unter anderem Projekte, die sich für Benachteiligte engagieren, zum Beispiel Initiativen zur Unterstützung alleinerziehender Mütter und für Menschen in wirtschaftlicher oder psychischer Not. Außerdem bemüht sie sich um den Schutz des ungeborenen Lebens. Die Stiftung ist mit einem Grundvermögen von 2,3 Millionen Euro ausgestattet und wird treuhänderisch vom Caritasverband der Diözese Hildesheim verwaltet.

Adresse:
Stiftung Gemeinsam für das Leben
Mühlenstraße 24
31134 Hildesheim
T (05121) 9381-44
F (05121) 9381-19
E-Mail: [email protected]
Web: www.gemeinsam-fuer-das-leben.de