Baumeistertagung 2017

Neue Kirchen für Gottes Volk

Tagung der Diözesanbaumeister in Hildesheim: Was bestimmt einen Kirchenraum? Die Funktionalität, die Ästhetik, die Liturgie? Eine sich verändernde Kirche erfordert auch eine neue Architekturtur.

VON RÜDIGER WALA

Das war schon ein dickes Programm, das sich die Diözesanbaumeister und Bauverantwortlichen bei ihrer dreitägigen Bundesversammlung in Hildesheim gegeben haben: profunde Vorträge und Exkursionen unter anderem zur Cella der Benediktiner und zur zum Kolumbarium umgewidmeten Kirche Hl. Herz Jesu (beide Hannover) oder zur Warenhalle des Guten Hirten in Hildesheim. Auch der Mariendom zu Hildesheim wurde den Teilnehmern erläutert – vor allem in der Verbindung von theologischer Grundlage und deren Umsetzung in Stein und Kunst. Denn gerade an einem so anderen Dom in Hildesheim mit seinen klaren Linien und seiner Schlichtheit lassen sich Veränderungen im Kirchbau aufzeigen: Die Verwendung verschiedener Materialien zeigt, was alt und was neu ist. Die großen Kunstwerke des Hildesheimer Domes finden sich auf einer Achse: Die 1000 Jahre alte Bernwardtür, das Taufbecken, die beiden einzigartigen nach den Bischöfen Hezilo und Thietmar benannten Radleuchter und der neue Altar liegen nun auf einer Linie. Vor allem das Taufbecken, der das himmlische Jerusalem darstellende Heziloleuchter und der Altar beschreiben auch eine Art Theologie des Domes: Von der Zusicherung Gottes durch die Taufe führt der Lebensweg in der Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde zur Erlösung im heiligen Sakrament der Eucharistie, zu Vollendung und Auferstehung.

 Kirchen sind prägend für das Stadtbild und Bauepochen

Keine Frage: Gesellschaftliche und kirchliche Veränderungen haben Auswirkungen auf den Kirchbau. Pastorale Neuordnungen bleiben nicht ohne Folgen für die Gotteshäuser, betont Professor Dr. Thomas Sternberg. Er ist Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, aber auch Honorarprofessor für Kunst und Liturgie an der Universität Münster. Kirchen sind und bleiben für Sternberg ein öffentliches Zeichen des Glaubens, das nicht vernachlässigt werden darf. Sie seien oftmals auch für das Stadtbild oder eine bestimmte Epoche der Bauweise bestimmend. Sternberg regt an, hier verstärkt den Kontakt zur Politik zu suchen: „Kirchen im Stadtbild zu erhalten ist eine öffentliche Aufgabe.“ Möglich sei dabei das Gründen einer Stiftung. Doch der Schutz und Bestand des Gotteshauses im Viertel oder im Dorf sei nur das eine. Das andere sind Veränderungen im Inneren, die die Entwicklungen in der Seelsorge widerspiegeln. Sternberg plädiert beispielsweise dafür, „Orte für die private Andacht in unseren Kirchen zu schaffen.“ Ein Kirchenraum werde erfüllt durch vielfältige liturgische Feiern. Funktion und Ästhetik, beides wird bundesweit bei Bauprojekten neu bestimmt: Welche Botschaft vermittelt der Raum nach innen und außen? Wie kann er einladen, ohne zu vereinnahmen? Welche Möglichkeiten bietet er über den liturgischen Bereich hinaus? Doch hinter allen Fragen nach der Gestalt des Gotteshauses, steht noch ein weiterer Gedanke: der des Kirchenbildes. „Was für eine Kirche wollen wir sein?“ – dieser Frage widmet sich Dr. Christian Hennecke auf der Tagung. Für den Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Hildesheimer Generalvikariat muss sich zum einen das vielfältiger gewordene Leben einer Kirchengemeinde auch in vielfältigen Räumen abspielen. Er sieht sie als „Beziehungsorte, in denen geistliches Leben möglich ist.“ Das seien nicht nur Klöster – auch Kindergärten und Suppenküchen zählen dazu – wie Pfarrzentren. Aber gleichzeitig muss es auch den Kirchenraum geben, der die unterschiedlichen Gemeinschaften und Gemeinden einer Pfarrei zusammenführt – in der sonntäglichen Eucharistie. Ein Ansatz dafür ist die Kirche Hl. Kreuz in Altwarmbüchen. Dieser Neubau – der erste im Bistum Hildesheim seit 20 Jahren – steht auch auf der Exkursionsliste der Baumeister. In Hl. Kreuz wurden Kirche und Gemeindezentrum miteinander verbunden. Im Forum wurde unter anderem ein Café eingerichtet. Von der Kirche soll vor allem eine Botschaft ausgehen: offen für die Menschen im Stadtteil zu sein.

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