Ökumene der Sendung

im Horizont Lokaler Kirchenentwicklung

Seit einigen Jahren befindet sich das Bistum Hildesheim im Prozess der „Lokalen Kirchenentwicklung“. Ein Grundsatz der Lokalen Kirchenentwicklung besteht darin, vor Ort zu ergründen, wie und wo das Engagement von Christen gebraucht wird, damit Menschen in ihrer Trauer und Angst, ihrer Freude und Hoffnung nicht allein sind. Das Sein bei den Menschen ereignet sich mehr und mehr in ökumenischer Kooperation. Ökumenische Praxis dient dabei nicht dem Selbstzweck. Sie steht im Dienst an der Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat. Denn es heißt im Johannesevangelium: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21). Grundfaktum der Ökumene, des Einsseins, ist das gemeinsame Gesandt-Sein durch Gott. Ökumene ist also wesentlich Ökumene der Sendung.

Eine Ökumene der Sendung kann zu einer Erweiterung der Vernetzungs- und Wirkungsmöglichkeiten führen: Auch jenseits der Grenzen der eigenen Konfession gibt es Geschwister im Glauben, mit denen Gottesdienst gefeiert, Ideen entwickelt und gemeinsam gehandelt werden kann. Das kann sich in drei verschiedenen Formen konkretisieren:

  • kooperative Ökumene (Wir machen etwas gemeinsam)
  • arbeitsteilige Ökumene (Du machst das Eine, ich das Andere)
  • stellvertretende Ökumene (Du übernimmst etwas ausdrücklich im Namen aller).

Wenn Pfarrgemeinden oder Initiativen vor Ort solche Möglichkeiten, sich zu vernetzen oder aktiv zu werden, nutzen, rückt Ökumene in ihr wahres Licht. Ökumene steht nicht mehr in Gefahr zur Zusatzbelastung zu werden. Konsequentes ökumenisches Miteinander führt mittelfristig sogar zu Entlastung, Bereicherung und steigert die Glaubwürdigkeit der Verkündigung.

Beispiele für eine kooperative Ökumene wären z. B. ein ökumenischer Stadtpilgerweg, die Feier eines Ökumenischen Schöpfungstages oder ein ökumenischer Glaubenskurs. Zur kooperativen Ökumene gehört auch die gemeinsame Nutzung kirchlicher Gebäude.

Zur arbeitsteiligen Ökumene können besondere Gottesdienste gezählt werden, die in einer Gemeinde angeboten, zu denen aber ausdrücklich alle Christen der Stadt / des Ortes eingeladen sind. Als Beispiel seien hier Taizé-Gottesdienste oder Passionsandachten an besonderen Orten genannt. Auch die Öffentlichkeitsarbeit (Einladungen zu Veranstaltungen und Gottesdiensten; ökumenische Gemeindebriefe/Internetportale) kann arbeitsteilig vorgenommen werden.

Stellvertretende Ökumene bietet sich beispielsweise beim Sprechen von Grußworten zu gesellschaftlichen Anlässen an. Auch die Leitung eines Einschulungsgottesdienstes oder die Lobbyarbeit und Interessensvertretung gegenüber politischen und gesellschaftlichen Institutionen kann stellvertretend für mehrere Kirchen geschehen.