Dom-Uhus

Überraschender Uhu-Nachwuchs am Hildesheimer Dom

Jungtiere sind im Nistkasten oberhalb des Kreuzganges geschlüpft

In diesem Jahr gab es zunächst keinerlei Anzeichen für eine Brut; die Uhus schienen sogar verschwunden zu sein. Auch die regelmäßige Überprüfung des Uhubrutplatzes im Westwerk ergab ein negatives Ergebnis.

Doch die Uhus hatten nun die Dachgaube im Kreuzgang entdeckt und dort klammheimlich drei Eier gelegt, aus denen um Ostern herum die Küken schlüpften. Am 01. Juni landete der älteste der drei Jungvögel im Kreuzgang. Erst so wurde die Brut entdeckt. 

Inzwischen sind auch die beiden Geschwister im Kreuzgang angekommen – zur Freude vieler Besucher. Hier werden die Jungvögel ihre „Infanteristenphase“ verbringen. Das ist die Phase, in der sie noch nicht fliegen können und als Fußgänger unterwegs sind, bevor sie im Alter von etwa zwei Monaten erste Flugversuche unternehmen.

Tagsüber haben sich die Uhus in dieser Zeit in der Vegetation, manchmal auch am Fuß des legendären 1.000-jährigen Rosenstockes an der Apsis des Domes, versteckt oder haben regungslos verharrend auf ihre Tarnung vertraut. Meist können Besucher sie aus der gebotenen Distanz heraus dennoch betrachten. Die allermeisten Besucher verhalten sich sehr verständnisvoll.  

Nach der allabendlichen Schließung des Kreuzganges erwarten die jungen Uhus die Altvögel mit Nahrung. Das Uhuweibchen zeigt sich bald darauf in der Dachgaube, wo es den Tag verbringt und vermutlich immer wieder einen kritischen Blick auf das Geschehen im Kreuzgang hat. 

Inzwischen haben die jungen Domuhus auf dem Annenfriedhof erste Flugversuche unternommen. Darum wurde es Zeit, die drei Jungvögel zu beringen. Unterstützt von Eulenexperte Wilhelm Breuer hat Armin Kreusel, ehrenamtlicher Vogelberinger der Vogelwarte Helgoland, den größten europäischen Nachtgreifvögeln ihren Erkennungsring angelegt. Bei der Vogelwarte sind die Hildesheimer Domuhus des Jahres 2017 nun als A1628, A1629 und A1630 registriert.

Bald werden sie den Domhof verlassen. Immerhin haben Sie es schon viel länger ausgehalten als erwartet. Der Kreuzgang scheint eine gute und akzeptierte Kinderstube zu sein.

 

 

Stichwort Uhu

Der Uhu ist die größte einheimische Eulenart. Er ist bis zu 70 cm groß, hat eine Spannweite von 165 cm und wird bis zu 1.900 g (Männchen) bzw. 2.600 g (Weibchen) schwer. Der Uhu ist ein nachtaktives Tier. Dann jagt er vor allem Mäuse, Ratten und Vögel. Die Brut mit 2-4 Eiern beginnt meist im März.

Der Uhu war in Mitteleuropa fast ausgestorben. In Deutschland zieht es die inzwischen wieder zahlreicheren Uhus auch in die Städte, wo sie hohe Gebäude als geeignete Brutplätze entdecken.

Die Geschichte der Uhus am Hildesheimer Dom

Im Westwerk des Domes siedelte sich 2014 völlig überraschend ein Uhu-Paar an und verdrängte die dort bisher brütenden Turmfalken. Passend zum 1.200-jährigen Bestehen des Bistums Hildesheim im Jahr 2015 zogen die Uhus 2014 und 2015 jeweils drei Jungvögel groß. 2016 kam es zwar zu einer Brut, sie verlief aber aus ungeklärten Gründen erfolglos.

Von 2014 – 2016 brüteten die Uhus jeweils im Westwerk des Hildesheimer Domes. Eine eigens im November 2014 über dem Kreuzgang als Brutplatz ausgebaute Dachgaube verschmähten die Groß-Eulen bislang.

Die Uhus und der Umweltschutz im Bistum Hildesheim

Das Bistum Hildesheim freut sich sehr über die seltenen Uhus als Brutvogel am Hildesheimer Dom!

Die Verantwortlichen fördern deshalb in enger Abstimmung mit Wilhelm Breuer von der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) den Schutz der Dom-Uhus.

Wir freuen uns über das rege Interesse der vielen Menschen in Hildesheim und darüber hinaus, die die Brut zum Teil per Webcam mitverfolgen. Und natürlich über die Besucherinnen und Besucher unseres Domes, die sich neben der Kunst und der Architektur, auch an Gottes schöner Schöpfung, am 1.000-jährigen Rosenstock und den Uhus erfreuen!

Deshalb unterstützen wir als Bistum Hildesheim auch die Aktion des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) „Lebensraum Kirchturm“. Mögen die Hildesheimer Dom-Uhus mithelfen, unser eigenes Bewusstsein zu schärfen, dass auch andere Wildtiere, gerade auch die unscheinbaren wie Insekten, unseres Schutzes bedürfen!