Klima-Streik

Aufruf der bolivianischen Bischöfe und der Diözesen Hildesheim und Trier anlässlich des globalen Klimastreiks am 24. September 2021

„Das Leben auf unserem Planeten ist heute durch die zunehmende Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden sowie durch den Raubbau des Menschen, insbesondere durch Bergbau, Industrie und Verkehr, bedroht, welche die für das Überleben der gesamten Menschheit unerlässlichen natürlichen Grundlagen gefährden. Die größte ökologische Herausforderung ist derzeit der Klimawandel. Die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler ist sich einig, dass die nachgewiesene globale Erwärmung durch Treibhausgase verursacht wird, die vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger, die Abholzung von Wäldern und großflächige Ablagerung von Müll entstehen“ (Univ. 16). Mit diesen Worten haben die Bischöfe von Bolivien bereits vor fast 10 Jahren die Bedrohung der Menschheit durch den Klimawandel benannt. Und einige Jahre zuvor hatten die deutschen Bischöfe betont, dass „der Klimawandel die derzeit umfassendste Bedrohung für die Lebensgrundlagen heutiger und künftiger Generationen sowie für die nichtmenschliche Natur darstellt und damit eine ernste Herausforderung für unsere Schöpfungsverantwortung ist“ (DBK 2006, 1). Schließlich unterstreicht auch Papst Franziskus, dass „der Klimawandel ein globales Problem mit schwerwiegenden ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen, verteilungspolitischen und politischen Dimensionen ist und eine der größten Herausforderungen für die Menschheit darstellt“ (LS 25).

Schöpfungsbewahrung als Schwerpunkt der Bolivienpartnerschaftsarbeit

Während einer virtuellen Zukunftskonferenz, die im Juli dieses Jahres zwischen den Kirchen von Bolivien, Trier und Hildesheim stattfand, wurde die christliche Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung Gottes als vorrangiges Anliegen herausgestellt. Die Sorge für das gemeinsame Haus, unsere Erde, ist eines der wichtigsten Themen, die in den kommenden Jahren im Rahmen der Partnerschaft bearbeitet werden sollen. Als einen konkreten Anlass, um diese gemeinsame Verpflichtung der drei Kirchen in einem ersten Schritt in die Praxis umzusetzen, haben wir den globalen Klimastreik am Freitag, den 24. September, gewählt.

Die Zeit drängt…

Der vom Weltklimarat der Vereinten Nationen IPCC im August 2021 veröffentlichte Bericht unterstreicht einmal mehr die Aktualität der oben erwähnten Aufrufe und die Dringlichkeit, zu handeln. Uns bleibt nicht mehr als ein Jahrzehnt, um wirksame Maßnahmen zur Verlangsamung der globalen Erwärmung zu ergreifen. Schon jetzt verursachen die steigenden Temperaturen und unser Lebensstil das sechste große Artensterben auf der Erde. „Wegen uns verschwinden Tausende von Arten“ für immer und „werden Gott durch ihre Existenz nicht mehr verherrlichen und uns ihre eigene Botschaft nicht mehr mitteilen können. Dazu haben wir kein Recht“ (LS 33).

… denn die Armen leiden am stärksten

Die Menschen in vielen Regionen der Welt, vor allem die Armen, leiden immer mehr an Krankheiten oder verhungern, weil sie ihre Ernährungssouveränität verloren haben. Es ist daher „notwendig, ein klares Bewusstsein für die Tatsache zu bewahren, dass der Klimawandel eine Vielzahl von Verantwortlichkeiten mit sich bringt und ... die Bedürfnisse der Armen, Schwachen und Verletzlichen in einer Debatte, die oft von mächtigeren Interessen dominiert wird, besonders berücksichtigt werden müssen“ (LS 52). Viele dieser Armen sehen die Abwanderung in städtische Zentren, in andere Regionen ihres Landes oder schließlich auf andere Kontinente als letzten Ausweg. „Die schlimmsten Auswirkungen werden in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich die Entwicklungsländer treffen. Viele arme Menschen leben an Orten, die besonders stark von Erwärmungsphänomenen betroffen sind, und ihr Lebensunterhalt hängt in hohem Maße von natürlichen Reserven und Ökosystemleistungen wie Landwirtschaft, Fischerei und Waldressourcen ab. Es fehlt ihnen an anderen finanziellen Aktivitäten und anderen Ressourcen, um sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen oder mit Katastrophenereignissen fertig zu werden, und sie haben kaum Zugang zu sozialen Diensten und Schutz“ (LS 25). Gleichzeitig verschlechtert der Klimawandel, der vor allem von den Industrieländern verursacht wird, täglich die Lebenschancen der kommenden Generationen.

Klimawandel als Frage der Gerechtigkeit

Der Klimawandel ist deshalb eine Frage der Gerechtigkeit, sowohl der Generationengerechtigkeit als auch der internationalen Gerechtigkeit. Aber der Klimawandel ist zugleich auch eine pastorale und theologische Frage. „Dass der Mensch die biologische Vielfalt in Gottes Schöpfung zerstört; dass der Mensch die Unversehrtheit der Erde beeinträchtigt und zum Klimawandel beiträgt, indem er die Erde ihrer natürlichen Wälder beraubt oder ihre Feuchtgebiete zerstört; dass der Mensch das Wasser, den Boden und die Luft verschmutzt. Dies alles sind Sünden. Denn ein Verbrechen gegen die Natur ist ein Verbrechen gegen uns selbst und eine Sünde gegen Gott“ (LS 8).

Klimaschutz als Aufgabe der Gläubigen

Die globale Erwärmung ist also ein Zeichen der Zeit, von dem das Zweite Vatikanische Konzil gesprochen hat, eine Herausforderung, die von uns als Kirche eine starke Reaktion verlangt. Jede Maßnahme zur Eindämmung des Klimawandels und zur Verringerung der Kohlendioxidemissionen ist ein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung und unseres gemeinsamen Hauses. Es ist unsere Pflicht als Christ*innen, unseren Lebensstil und unsere Praxis in den Gemeinden und Gemeinschaften zu ändern, um die Treibhausgase zu reduzieren. „Die Verringerung der Entwaldung und die systematische Wiederaufforstung sind einer der wertvollsten Beiträge, die Bolivien im Kampf gegen den Klimawandel für die ganze Welt leisten kann“ (Univ. 108). Wirtschaftliche und technologische Mittel für die Entwicklungsländer bereitzustellen, um den Klimawandel einzudämmen und sich an seine Auswirkungen anzupassen, könnte ein wertvoller Beitrag Deutschlands und anderer Industrieländer sein.

Die Politik muss dringend handeln

Schließlich sind „klare Strategien und politische Maßnahmen erforderlich, um die Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern und abzumildern“ (Univ. 109). Wir alle wissen, dass wir in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren tiefgreifende Transformationsprozesse in mehreren Bereichen unserer Gesellschaft und Wirtschaft in Gang setzen müssen, etwa bei Mobilität und Verkehr, industrieller Produktion, Land- und Forstwirtschaft und vor allem der Energieerzeugung. „Viele Symptome deuten darauf hin, dass diese Auswirkungen (der globalen Erwärmung) immer schlimmer werden könnten, wenn wir mit den derzeitigen Produktions- und Verbrauchsmustern weitermachen. Es ist daher dringend erforderlich, politische Maßnahmen zu entwickeln, um in den kommenden Jahren den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen stark verschmutzenden Gasen drastisch zu reduzieren, zum Beispiel durch den Ersatz fossiler Brennstoffe und die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen“ (LS 26).

Gläubige aktiv beim Klimastreik am 24.9.

Aus diesen Gründen rufen wir unsere Gläubigen auf, während des Aktionstages am 24. September Liturgien und Gebete in der Sorge um das gemeinsame Haus zu organisieren oder in den Pfarreien, Basisgruppen und katholischen Vereinen eigene Initiativen zu starten, um unserer Verantwortung für Gottes Schöpfung gerecht zu werden. Als Kirche begrüßen wir alle Initiativen wie die Jugendbewegung Fridays for Future, die versuchen, das Bewusstsein für Menschlichkeit zu schärfen und wirksame Maßnahmen von der Politik zu fordern. Wir bitten unsere Gläubigen, Aktionen zu unterstützen, die sich ohne parteipolitische Interessen für Klimagerechtigkeit einsetzen. Wir freuen uns über jede Beteiligung am globalen Klimastreik, der von den jungen Menschen initiiert wird, deren Zukunft durch unsere Art zu leben, zu konsumieren und zu produzieren, bedroht ist. Schließlich rufen wir alle Gläubigen auf, unablässig dafür zu beten, dass Gott uns hilft, das Leben auf dem Planeten Erde zu retten und Sorge zu tragen für das gemeinsame Haus, das er selbst uns geschenkt hat.

Für die Bolivianische Bischofskonferenz
Erzbischof Ricardo Centellas Vorsitzender der Kommission für Partnerschaft

Für das Bistum Hildesheim
Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ

Für das Bistum Trier
Bischof Dr. Stephan Ackermann

Quellen:

Bolivianische Bischofskonferenz: Das Universum. Gottes Gabe zum Leben, La Paz 2012. (Univ.)
Der Klimawandel: Brennpunkt globaler, intergenerationeller und ökologischer Gerechtigkeit. Texto de expertos publicado por la Conferencia Episcopal alemana, Bonn 2006) (DBK 2006) Papst Franziskus: Laudato sí, Rom 2015. (LS
Sachstandsbericht des Weltklimarates 2021 (https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1).