Fragen und Antworten zur Sedisvakanz

Was bedeutet Sedisvakanz?

Die Sedisvakanz (lat. leerer Stuhl) ist die Zeit, in der das Amt des Bischofs nicht besetzt ist. Sie endet mit der Einführung eines neuen Bischofs. Als Sedisvakanz wird auch die Zeit bezeichnet, in der das Amt des Papstes nicht besetzt ist.

Aus welchen Gründen kann das Amt des Bischofs vakant werden?

Das Amt des Bischofs kann vakant werden, wenn der bisherige Amtsinhaber stirbt, versetzt wird, abgesetzt wird oder zurücktritt. Meist wird ein Bischofssitz durch Amtsverzicht vakant. Ein Diözesanbischof ist nach dem Kirchenrecht verpflichtet, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten, wenn er das 75. Lebensjahr vollendet hat. Der Bischof, dessen Verzicht angenommen wird, erhält den Titel „Emeritus“ seiner Diözese.

Wer hat im Bistum Hildesheim das Sagen, bis es einen neuen Bischof gibt?

Wenn ein Bischofssitz vakant wird, geht die Leitung der Diözese zunächst auf den dienstältesten Weihbischof über (im Bistum Hildesheim ist dies Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger), der die Vollmachten eines Generalvikars erhält. Zum gleichen Zeitpunkt erlischt das Amt des Generalvikars und der Priesterrat hört auf zu bestehen. Die Weihbischöfe behalten ihre Vollmachten.

Der dienstälteste Weihbischof beruft unverzüglich eine Sitzung des Domkapitels ein. Das Domkapitel wählt innerhalb von acht Tagen nach Beginn einer Vakanz einen Diözesanadministrator. Dieser interimistische Leiter der Diözese hat gemäß Kirchenrecht alle Rechte und Pflichten eines Bischofs, darf jedoch nichts verfügen, was in die Rechte eines neuen Bischofs eingreifen könnte. Er kann einen „Ständigen Vertreter“ ernennen und die ordentliche ausführende Gewalt an diesen delegieren. Beide üben ihr Amt so lange aus, bis ein neuer Bischof die Diözese Hildesheim „in Besitz nimmt“, wie es im Kirchenrecht heißt.

Die Sedisvakanz (lat. leerer Stuhl) ist die Zeit, in der das Amt des Bischofs nicht besetzt ist. Sie endet mit der Einführung eines neuen Bischofs.

Wer darf den neuen Bischof wählen?

Der neue Bischof wird von den Geistlichen gewählt, die dem Domkapitel angehören. Das Gremium wählt während der Sedisvakanz aus einer Kandidatenliste, die der Papst zuvor bestimmt hat, den Bischof.

Dem Hildesheimer Domkapitel steht Weihbischof Heinz-Günter Bongartz als Domdechant vor. Das Hildesheimer Domkapitel besteht neben dem Domdechanten aus fünf residierenden Domkapitularen, die eine Residenzpflicht an der Domkirche haben, und zwei nichtresidierenden Domkapitularen.

Neben Domdechant Bongartz gehören Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger, Prälat Dr. Werner Schreer, Pfarrer Martin Wilk, Dechant Wolfgang Voges, Offizial Dr. Christian Wirz sowie Propst Martin Tenge (Hannover) und Propst Reinhard Heine (Braunschweig) dem Domkapitel an.

Das Domkapitel ist nach Kirchenrecht eine Gemeinschaft von Priestern, deren Aufgabe es ist, die feierlicheren Gottesdienste in der Kathedralkirche durchzuführen. Außerdem übernimmt es in den deutschen Diözesen die Aufgaben des sog. Konsultorenkollegiums. In dieser Funktion berät und unterstützt das Domkapitel den Bischof und wirkt in der Leitung des Bistums mit.

Der Pileolus, deutsch auch Scheitelkäppchen, ist Teil der kirchlichen Kleidung eines Bischofs (auch von Äbten, Bischöfen, Kardinälen und des Papstes).

Der Pileolus, deutsch auch Scheitelkäppchen, ist Teil der kirchlichen Kleidung eines Bischofs (auch von Äbten, Bischöfen, Kardinälen und des Papstes).

Wie entsteht die Liste der Bischofskandidaten?

Ist eine Sedisvakanz eingetreten, muss das Domkapitel dem Apostolischen Nuntius, also dem Botschafter des Papstes in Deutschland (gegenwärtig Erzbischof Dr. Nikola Eterovic), eine Liste mit Vorschlägen zukommen lassen.

Ebenso schlagen die Erzbischöfe und Bischöfe im Gebiet des ehemaligen Preußens und der Nuntius selbst geeignete Kandidaten für das Amt des Bischofs vor. So ist es im Preußenkonkordat von 1929 geregelt.

Anschließend schickt der Nuntius alle Vorschläge zur Bischofskongregation nach Rom, deren Vollversammlung unter Würdigung der Listen eine Dreierliste zusammenstellt. Der Papst entscheidet anschließend, ob er diese Liste akzeptiert oder die genannten Kandidaten durch neue ersetzt. Auf der Liste können auch Namen stehen, die nicht auf den Vorschlagslisten standen. Der Nuntius übermittelt dem Domkapitel dann die vom Papst endgültig festgelegte Dreierliste.

Was ist das Preußenkonkordat?

Das Preußenkonkordat ist ein Staatskirchenvertrag, in dem u.a. die Wahl eines neuen Bischofs genau geregelt ist. Der Freistaat Preußen und der Vatikan schlossen diesen Kontrakt im Jahr 1929 ab. Heute gelten seine Bestimmungen für alle Diözesen im Gebiet des ehemaligen Preußen. Dies sind die Erzbistümer Berlin, Hamburg, Köln und Paderborn sowie die Bistümer Aachen, Erfurt, Essen, Fulda, Görlitz, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Trier.

Der Bischofsring von Bischof Norbert Trelle.

Jeder Bischof lässt sich seinen eigenen Ring anfertigen. (Foto: Bischofsring von Norbert Trelle)

Wie wird der neue Bischof gewählt?

Das Domkapitel wählt aus der vom Papst festgelegten Dreierliste einen Kandidaten aus. Dafür ist eine absolute Mehrheit erforderlich. Ein Kandidat gilt als gewählt, wenn fünf von acht Domkapitularen ihm ihre Stimme geben. Anschließend muss der Kandidat seine Wahl annehmen und schriftlich seine Bereitschaft erklären, neuer Bischof von Hildesheim werden zu wollen.

Vor der Bestätigung der Wahl durch den Papst muss sich das Hildesheimer Domkapitel bei der niedersächsischen Landesregierung versichern, „dass Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen“. Dies regelt der Artikel 6,1 des Preußenkonkordats.

Wenn die Landesregierung der Wahl zugestimmt hat, bestätigt der Papst die Wahl und ernennt den Gewählten mit einem Ernennungsschreiben zum Bischof.

Wie lange dauert es, bis der neue Bischof da ist?

Bis zur Wahl eines neuen Bischofs können mehrere Monate vergehen, manchmal sogar ein Jahr oder länger. Bevor Norbert Trelle Bischof von Hildesheim wurde, hatte die bischofslose Zeit sogar 15 Monate betragen. Es war die längste bekannte Sedisvakanz der letzten Jahrzehnte und eine der längsten Sedisvakanzen überhaupt gewesen.

Der damalige Papst Johannes Paul II. hatte das Rücktrittsgesuch des 69. Bischofs von Hildesheim, Dr. Josef Homeyer, kurz nach dessen 75. Geburtstag zum 20. August 2004 angenommen. Weihbischof Hans-Georg Koitz leitete das Bistum als Diözesanadministrator durch die Sedisvakanz. Bischof Norbert Trelle, Weihbischof von Köln, wurde von Papst Benedikt XVI. am 29. November 2005 zum 70. Bischof von Hildesheim ernannt.

Der Bischofsstab von Bischof Norbert Trelle.

Der Stab ist eines der ältesten Insignien der bischöflichen Vollmacht. (Foto: Bischofsstab von Norbert Trelle)

Welche Funktion hat der Bischof?

Der Bischof leitet und repräsentiert das Bistum. Das Wort Bischof ist abgeleitet vom altgriechischen „episkopos“ und bedeutet Statthalter, Aufseher und Hüter. In der katholischen Kirche bedeutet die Bischofsweihe die höchste Stufe des Weihesakraments. Die Bischofsweihe verleiht nach katholischem Verständnis die Vollmacht, das Wort Gottes verbindlich zu lehren und gegen Verfälschungen des Glaubens vorzugehen.

Gemäß katholischer Auffassung setzt sich in den Bischöfen der den Aposteln Jesu erteilte Auftrag bis in die Gegenwart fort. Ein Priester kann gültig nur durch einen Bischof geweiht werden, der seinerseits durch einen Bischof geweiht wurde. Alle katholischen Bischöfe sind vom Papst ernannt.

Welche Eigenschaften sollte ein Bischof haben?

Ein Bischof muss laut Kirchenrecht einen festen Glauben haben, wenigstens 35 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren Priester sein. Auch gute Sitten, Frömmigkeit und Klugheit werden verlangt.

Darüber hinaus sollte der Bischof einen Doktortitel oder mindestens ein Lizentiat in der Heiligen Schrift, in der Theologie oder im kanonischen Recht vorweisen können, das dazu berechtigt, an kirchlichen Hochschulen zu unterrichten. Darauf kann verzichtet werden, wenn der Kandidat für das Bischofsamt „in diesen Disziplinen wirklich erfahren ist“, wie es im Kirchenrecht heißt.

Eine weitere Anforderung legt das Preußenkonkordat fest. Es besagt, dass der Kandidat Deutscher sein muss.

Text: Bischöfliche Pressestelle Hildesheim

Die Mitra von Bischof Norbert Trelle.

Die Mitra ist die liturgische Kopfbedeckung der Bischöfe und Äbte. (Foto: Mitra von Bischof Norbert Trelle)

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