Weltweit

53 Personen, die aus dem Bistum Hildesheim stammen, sind in 30 Ländern der ganzen Welt tätig als Missionarinnen und Missionare, als Fachpersonal in der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit oder als junge Freiwillige (Stand 1. Januar 2019). Sie alle sind lebendiges Zeugnis der Katholizität unserer Kirche und leisten ihren Dienst als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der jeweiligen Ortskirche. In der Regel stehen sie nicht in einem Dienstverhältnis mit dem Bistum Hildesheim.

Weihnachtsbrief 2018 von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ an die Hildesheimerinnen und Hildesheimer im missionarischen Dienst

Hildesheim, im Advent 2018

Liebe Schwestern und Brüder in der Mission,

es ist mir eine große Freude, Ihnen als neuer Bischof von Hildesheim zum bevorstehenden Weihnachtsfest diesen Gruß zu schreiben. Als Bischof, der als Herz-Jesu-Priester selbst einer weltweit missionarisch tätigen Ordensgemeinschaft angehört, setze ich sehr gerne die Tradition meiner Vorgänger fort, den aus unserem Bistum stammenden Missionaren und Missionsschwestern im Advent diesen Ausdruck geistlicher Verbundenheit mit ihrer Heimatdiözese zu schicken. Darin eingeschlossen sind auch diejenigen, die dauerhaft oder zeitweise nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Weltkirche beschreibt sehr treffend, was unsere katholische Kirche ganz wesentlich ausmacht. Deshalb bin ich Ihnen äußerst dankbar für Ihren Dienst, den Sie - zum Teil seit Jahrzehnten- in anderen Ländern, Sprachen und Kulturen, aber immer mit und in unserer weltweiten Kirche, tun.

Meine Bischofsweihe und Einführung am 1. September dieses Jahres war eine sehr bewegende Erfahrung für mich. Die große Anteilnahme zahlloser Gläubiger aus den Gemeinden des Bistums sowie die Anwesenheit zahlreicher Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonischen Dienst aus unse-rem Bistum und weit darüber hinaus waren mir ein eindrucksvolles Zeichen des Wohlwollens und Willkommens, mit dem viele Menschen dem neuen Bischof von Hildesheim, aber auch mir als Person, begegnet sind. Das tut gut und ist ein großer Schatz, dem ich mit Gottes Hilfe hoffe, gerecht werden zu können. Am Festgottesdienst nahmen mehr als zwei Dutzend deutsche Bischöfe teil, außerdem Landesbischof Ralf Meister von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers und weitere führende Geistliche aus unterschiedlichen Konfessionen. Unter den Mitfeiernden waren auch Pater Carlos Luis Suárez Codorniú, der mir als Generaloberer der Herz-Jesu-Priester nachgefolgt ist, sowie Bischöfe aus Bolivien, dem Partnerland unseres Bistums. Die Anwesenheit prominenter Gäste aus Politik und Gesellschaft, wie die von Bundespräsident a. D. Christian Wulff, des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und des Hildesheimer Oberbürgermeisters Dr. Ingo Meyer, sind Ausdruck der gewachsenen und konstruktiven Staat-Kirche-Beziehungen in Deutschland.

Bereits vor der Weihe nahmen an drei Wochenenden im August rund 400 Jugendliche an sechs Pilgerwegen in verschiedenen Regionen teil. Sehr kurzfristig für deutsche Planungszeiten, ist es der Abteilung Jugendseelsorge gelungen, so viele junge Menschen aus ganz unterschiedlichen Milieus zu solch einem „Bischofsspaziergang“ zu mobilisieren. Die Jugendlichen haben mir unter anderem geraten: „Achten Sie auf Ihr Personal, wertschätzen Sie die Ehrenamtlichen, predigen Sie kurz, kümmern Sie sich um Benachteiligte und Alte, fahren Sie ökologisch, achten Sie auf sich und heben Sie nicht ab!“

Dass ich als Bischof von Hildesheim auf die Unterstützung und das Gebet vieler bauen muss, zeigten schon die ersten Tage im September. Ganz bewusst hatte ich bereits am Tag meiner Bischofsweihe im Dom erklärt: „Es wird schwierige Themen geben. Das schwerste und bitterste Thema ist für mich der Zusammenhang von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in unserer Kirche. Diesem Thema werde ich mich von Anfang an mit aller Kraft widmen. Was die Menschen brauchen, ist Heilung und Hoffnung.“

Ende September nahm ich erstmals an der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda teil. Dort war die von uns Bischöfen in Auftrag gegebene bundesweite Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ ein zentrales Thema. Im Zuge dieser sogenannten MHG-Studie wurden im Bistum Hildesheim 848 Personalakten von Priestern durchgesehen. Das prozentuale Verhältnis von beschuldigten Geistlichen zu den durchgesehenen Personalakten liegt bei 5,4 Prozent. Der überwiegende Teil der Taten ereignete sich in den 1960er- und 1970er Jahren. Weil es mir sehr wichtig ist, wiederhole ich, was ich bereits zur Veröffentlichung der Studie in Hildesheim gesagt habe: „Wir dienen unserer Kirche nicht, wenn wir die schrecklichen Verbrechen kleinreden und beiseiteschieben, für die wir die Verantwortung zu tragen haben. Wir dienen ihr nur, wenn wir uns klar und offen zu der Schuld beken-nen, die auf uns lastet. Denn nur mit der Wahrheit – und sei sie noch so bitter – können wir in die Zukunft schauen.“

Aber selbstverständlich gab es im Bistum Hildesheim 2018 nicht nur eine Bischofsweihe. In den ersten Tagen des Jahres sind wieder die Sternsinger durch unsere Gemeinden gezogen und haben Gottes Segen zu den Wohnungen und Häusern gebracht, wo man dafür offen war. 850 kleinere und größere Königinnen und Könige mit ihren Sternträgern kamen abschließend am 13. Januar aus dem gesamten Bistum zum Sternsingerdank nach Hildesheim in den Dom und auf den Domhof.

Am 2. Februar konnte mein Vorgänger, Bischof em. Norbert Trelle, sein Goldenes Priesterjubiläum feiern.

Als Kirche von Hildesheim bemühen wir uns um eine angemessene materielle Solidarität mit den Men-schen und Ortskirchen weltweit, denen oft genug das Lebensnotwendige fehlt. Auch dem einen oder der anderen aus Ihrem Kreis konnten wir im vergangenen Jahr über die Diözesanstelle Weltkirche zur Seite stehen mithilfe unserer weltkirchlichen Projektmittel. Aber auch das Bistum Hildesheim erfuhr Solidarität, wenn das Bonifatiuswerk, in diesem Jahr beispielsweise die Kindertagesstätte einer Pfarrei und unsere diözesane Jugendbildungsstätte Haus Wohldenberg, mit namhaften Beträgen unterstützt hat.

Im Mai war unser Bistum auf dem Katholikentag insbesondere mit Angeboten zu „Lokaler Kirchenentwicklung“ und der „Allianz für die Schöpfung“ vertreten, einem Bündnis, das Bischof em. Norbert Trelle 2012 in seinem Hirtenbrief angeregt hatte und dem auch der Diözesanrat beigetreten ist, um angesichts der sich verschärfenden Klimakatastrophe zu handeln – auch und gerade als Kirche. Denn die Leidtragenden der Erderwärmung sind in erster Linie die Menschen in den Ländern des globalen Südens. In Bolivien berichten uns unsere Partner, verdorren die Ernten wegen zunehmender Dürrephasen; oder sie werden von Überschwemmungen fortgespült, weil auch Starkregenfälle drastisch zunehmen.

Im Juni waren ranghohe Geistliche aus Russland, Weißrussland und der Ukraine im Kloster Marienrode in Hildesheim zu Gast. Die Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche tauschten sich vier Tage lang mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz über das Thema „Mission und Evangelisierung in der heutigen Gesellschaft“ aus.

Durch Ihre Briefe und E-Mails an den Bischof Ihres Heimatbistums und durch so manche Besuche auf dem Hildesheimer Domhof lassen Sie uns teilhaben an Ihrem Dienst und an den Menschen, mit denen Sie zusammenarbeiten und zusammen beten. Bitte schließen Sie auch weiterhin Ihr Heimatbistum und seinen Bischof mit ins Gebet ein.

Gemeinsam mit Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger, Weihbischof Heinz-Günter Bongartz, Bischof em. Norbert Trelle, Weihbischof em. Hans-Georg Koitz und dem gesamten Domkapitel grüße ich Sie von Herzen und erbitte für Sie Gottes reichen Segen für das neue Jahr.

Ihnen ein frohes und gnadenreiches Weihnachtsfest!

Ihr
Dr. Heiner Wilmer SCJ Bischof von Hildesheim

Ansprechpartner
Georg Poddig
Tel. (0 51 21) 3 07-3 75
georg.poddig(ät)bistum-hildesheim.de