Weltweit

62 Personen, die aus dem Bistum Hildesheim stammen, sind in 28 Ländern der ganzen Welt tätig als Missionarinnen und Missionare, als Fachpersonal in der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit oder als junge Freiwillige (Stand 1. Januar 2018). Sie alle sind lebendiges Zeugnis der Katholizität unserer Kirche und leisten ihren Dienst als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der jeweiligen Ortskirche. In der Regel stehen sie nicht in einem Dienstverhältnis mit dem Bistum Hildesheim.

Weihnachtsbrief 2017 von Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger an die Hildesheimerinnen und Hildesheimer im missionarischen Dienst

Hildesheim, im Advent 2017


Liebe Schwestern und Brüder in der Mission,

auch in diesem Advent soll ein herzlicher Gruß in geistlicher Verbundenheit aus der Heimatdiözese Hildesheim an Sie zum bevorstehenden Fest der Menschwerdung des Wortes gehen.

Sie sehen, dass Ihnen diesmal nicht unser Bischof Norbert Trelle schreibt. Papst Franziskus hat zum 9. September 2017 sein Rücktrittsgesuch aufgrund des Erreichens der Altersgrenze angenommen. Wenige Tage später wurde ich durch das Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt – und Bischof Norbert ist nunmehr Emeritus, der mit seinen beiden Schwestern in Hildesheim wohnen bleibt.

Damit bin ich schon mitten im gewohnten „Bericht aus Hildesheim“. Die Verabschiedung eines Bischofs ist natürlich für ein Bistum ein bedeutendes und bewegendes Ereignis. Für sehr viele Menschen war Bischof Norbert wichtiger Begleiter und ein bedeutendes Gegenüber: in Krisen und Konflikten, in Aufbrüchen und Enttäuschungen – in der Kirche unseres Landes, auf vielen Feldern der Gesellschaft.

Das Jahr 2017 begann sehr erfreulich mit der Weihe der Heilig-Kreuz-Kirche in Hannover-Altwarm- büchen im Januar, dem ersten Kirchenneubau in unserem Bistum seit 20 Jahren.

Im März war unsere Bischofsstadt der Ort eines vielbeachteten gemeinsamen Buß- und Versöhnungs-gottesdienstes in der Michaeliskirche im Rahmen des großen Gedenkjahres der Reformation. Die katholische und evangelische Kirche in Deutschland vollzogen eine Umkehr von der Jahrhunderte währenden Geschichte gegenseitiger Verletzungen und Abgrenzungen. Bei dem Gottesdienst, der vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm geleitet wurde und an dem auch der damalige Bundespräsident Joachim Gauck, der bisherige Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahmen, dankten die Kirchen zugleich für das 500 Jahre nach der Reformation sichtbar werdende gegenseitige Vertrauen. Der Gottesdienst in Hildesheim war das zentrale Ereignis eines sogenannten „Healing of Memories“-Prozesses („Heilung der Erinnerung“), mit dem die Kirchen gemeinsam nach Wegen zur Versöhnung suchen. Der Prozess hat weltweit Vorbilder. So stand auch der Versöhnungsprozess nach dem Ende der Apartheid in Südafrika unter dem Leitwort „Healing of Memories“. Im September 2016 hatten die katholische und evangelische Kirche in München eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“ vorgestellt. Darin kommen sie überein, „die Trennungen der Kirchen ehrlich anzuschauen, ihre leidvollen Auswirkungen zu bedenken und Gott und einander um Vergebung für das Versagen auf beiden Seiten zu bitten“. Zugleich bringen sie darin den „Dank für die Gaben, die wir aneinander haben, zum Ausdruck“.

Im Mai und im Oktober konnten wir in Verbundenheit und Freude zwei silberne Bischofsjubiläen feiern. Zunächst das von Bischof Norbert, der 1992 in Köln geweiht worden war, und im Herbst das unseres emeritierten Weihbischofs Hans-Georg Koitz.

Das Konzept der lokalen Kirchenentwicklung ist die pastorale Leitidee unseres Bistums. Dabei setzen wir auf Katholiken und Katholikinnen, die sich in ihren Gemeinden vor Ort aufgrund ihrer Taufe und Firmung engagieren. Wie kirchliches Leben konkret gestaltet wird, hängt von den lokalen Gegebenheiten ab, die etwa in einem Stadtteil andere sind als in einem Dorf. Zu lokaler Kirchenentwicklung gehören der Einsatz für das Gemeinwesen vor Ort, ebenso neue Formen des Gottesdienstes und der Spiritualität. Priester, Diakone und hauptamtliche pastorale Mitarbeiter unterstützen das Konzept in den Gemeinden. Sie begleiten und fördern vorhandenes und entstehendes Engagement.

Im Sommer trafen sich 40 Jugendliche aus fünf osteuropäischen Ländern und aus Deutschland auf dem Wohldenberg. Damit geht ein wichtiger Friedens- und Versöhnungsimpuls zwischen Ost und West in aktualisierter Form weiter, den Anfang der 1990er Jahre unser damaliger Bischof Dr. Josef Homeyer mit dem „Friedensgrund“ ins Leben rief.

Nach 14 Jahren Pause bildet unser Bistum ab Sommer 2018 wieder Pastoral- und Gemeindereferenten bzw. -referentinnen aus. Das hat Bischof Norbert Trelle noch entschieden.

Im Anschluss an ihren Ad-limina-Besuch in Rom besuchten die bolivianischen Bischöfe und weitere Verantwortliche aus der Partnerschaft zwischen der Kirche Boliviens und dem Bistum Hildesheim unsere Diözese, um gemeinsam die inzwischen 30-jährige Partnerschaft zu feiern und zu reflektieren.

Im Oktober hat das Bistum Hildesheim den Bericht zu mehreren mutmaßlichen Missbrauchs-fällen veröffentlicht, den das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) aus München in unserem Auftrag erstellt hatte. Das Gutachten benennt vor allem im Umgang mit verschiedenen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen einen pensionierten Priester deutliche Versäumnisse des Bistums. Auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts fasste ich mein großes Bedauern in diese Worte: „Die eigene Schuld und das eigene Versagen im Umgang mit diesen Fällen lastet auf uns. Die Opfer und ihre Angehörigen bitte ich im Namen unseres Bistums um Vergebung. Uns ist sehr bewusst, dass ihnen großes Leid widerfahren ist. Mich beschämt das zutiefst, und es macht mich zerknirscht und traurig.“

Durch Ihre Briefe an den Bischof Ihres Heimatbistums und durch so manche Besuche auf dem Hildesheimer Domhof lassen Sie uns teilhaben an „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“ (vgl. Gaudium et Spes 1), mit denen Sie in so vielen Ländern zusammen leben, zusammen arbeiten und zusammen beten.

In diesem Zeugnis stehen wir zusammen, Sie in Ihrem missionarischen Dienst in der Weltkirche und wir in unserem missionarischen Dienst im Bistum Hildesheim. Dafür erbitte ich gemeinsam mit Weihbischof Bongartz, Bischof em. Trelle, Weihbischof em. Koitz und dem gesamten Domkapitel Gottes reichen Segen.

Ein frohes und gnadenreiches Weihnachtsfest Ihnen!
Ihr
Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger
Diözesanadministrator

Ansprechpartner
Georg Poddig
Tel. (0 51 21) 3 07-3 75
georg.poddig(ät)bistum-hildesheim.de