Bischof Wilmer: „Ich gehe mit vielem, was mir geschenkt wurde“
Rund eintausend Menschen verabschiedeten sich im Hildesheimer Dom von Heiner Wilmer

© Gossmann / bph
Der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ hat am Samstag, 6. Juni 2026, um 10 Uhr mit einem Pontifikalgottesdienst im Hildesheimer Dom seinen Abschied aus dem Bistum Hildesheim gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst konnten sich die Menschen vor dem Dom persönlich von Bischof Wilmer verabschieden.

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Der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ hat am Samstag, 6. Juni 2026, um 10 Uhr mit einem Pontifikalgottesdienst im Hildesheimer Dom seinen Abschied aus dem Bistum Hildesheim gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst konnten sich die Menschen vor dem Dom persönlich von Bischof Wilmer verabschieden.
Der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ hat heute Vormittag seinen letzten Gottesdienst im Hildesheimer Dom vor seiner Einführung als neuer Bischof von Münster gefeiert. Rund eintausend Menschen besuchten die feierliche Messe zur Verabschiedung Wilmers.
Der Hildesheimer Domdechant, Weihbischof em. Heinz-Günter Bongartz, würdigte Heiner Wilmer dabei als einen Bischof, der große Spuren hinterlassen habe und hob dabei insbesondere die Herzlichkeit Wilmers sowie dessen „unkomplizierte Art, auf Menschen zuzugehen“ hervor. Dies tue Heiner Wilmer mit einer so großen Freundlichkeit, die er selbst in seiner ostwestfälischen Art nicht hinbekomme, sagte Bongartz warmherzig und mit einer Portion Selbstironie.
Heinz-Günter Bongartz überreichte dem Bischof, auch im Namen des Domkapitels und des Bistums, mehrere Geschenke, deren Übergabe er zuvor unter Bezugnahme auf das bischöfliche Wappen Heiner Wilmers gekonnt anmoderiert hatte. Auch versicherte er dem scheidenden Bischof, dieser sei am Hildesheimer Domhof stets herzlich willkommen: „Deswegen schenken wir dir etwas, was viele gerne hätten: eine dauerhafte Parkerlaubnis auf dem Domhof“, sagte der Domdechant und überreichte dem Bischof unter dem Gelächter und Applaus der Gottesdienstgemeinde eine goldene Parkkarte.
Der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Hildesheim, Dr. Christian Heimann, bekannte, er habe zum Amtsantritt des Bischofs vor acht Jahren nicht gedacht, dass es einmal seine Aufgabe werden würde, den Bischof zu verabschieden – „vor allem nicht so bald“.
Bischof Wilmer hat nach Heimanns Worten gezeigt, dass die Kirche eine Zukunft habe, wenn sie ihren Weg nicht allein gehe, sondern gemeinsam mit der Gesellschaft. Den Bischof und ihn habe immer der Wunsch verbunden, das Bistum gemeinsam weiterzuentwickeln, ohne dabei Unterschiede zu überdecken, sondern diese ernst zu nehmen. Bischof Wilmer sei im Bistum Hildesheim ein Bischof für die Menschen und bei den Menschen gewesen.
Bischof Wilmer betonte, wenn er auf die vergangenen acht Jahre schaue, verspüre er vor allem Dankbarkeit für Gott und die Menschen im Bistum Hildesheim. An die Anwesenden gewandt, sagte er: „Sie sind Kirche, ganz konkret und lebendig.“ Er schloss in seine Dankrede viele Menschen ein, einige hob er besonders hervor, darunter seine Familie, das Team im Bischofshaus und seinen Generalvikar, Domkapitular Martin Wilk. Mit brüchiger Stimme bekannte er, der Abschied falle ihm nicht leicht: „Ich gehe nicht mit leeren Händen, ich gehe mit vielem, was mir geschenkt wurde.“ Er sei zutiefst dankbar.
Unter den Gästen waren neben Gläubigen aus den Pfarrgemeinden des Bistums Hildesheim viele Mitarbeitende, Gremienmitglieder und enge Weggefährten des Bischofs aus den vergangenen acht Jahren. Dazu gehörten Erzbischof Dr. Stefan Heße aus Hamburg, mehrere Weihbischöfe, Mitglieder des Domkapitels, sowie der Hildesheimer Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer. Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus dem interreligiösen Dialog und der Ökumene, etwa die evangelisch-lutherische Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel aus Braunschweig, waren ebenfalls gekommen, um Heiner Wilmer zu verabschieden.
Während des Gottesdienstes predigte der Bischof frei und ging im Mittelschiff der Bischofskirche zum mittelalterlichen Taufbecken, um zu erläutern, wie eine Brezel zu „einem wunderbaren Wink“ wurde, um „die Dynamik zwischen Himmel und Erde“ zu verstehen.
Auf dem bronzenen Taufbecken von 1226 ist eine Collage zu sehen, die Jesus am Tisch mit jüdischen Brüdern zeigt. Auf dem Tisch liegen Brot und Fisch. In diese Szene aus dem neuen Testament wurde im Mittelalter die Brezel künstlerisch hinzugefügt, die es zur Zeit Jesu noch nicht gab.
Für den Bischof ist dies „ein Zeichen der Inkulturation“, bei dem ein Element aus einer späteren Zeit hinzugefügt worden ist, ohne die ursprüngliche Botschaft zu verändern. Dieses Detail zeigt nach der Schilderung des Bischofs, dass es für die Kirche stets darum gehe, ihre Botschaft in der jeweiligen Zeit verständlich zu vermitteln. In der Gegenwart gehe es nicht darum, dass die Kirche Ansagen mache, stattdessen gehe es um Zusage für die Menschen.
Im Anschluss an den Gottesdienst nutzten viele Menschen auf dem Domhof die Gelegenheit, sich persönlich von Heiner Wilmer zu verabschieden. Bis weit in den Nachmittag hinein schüttelte der Bischof Hände und führte kurze Gespräche mit den Gästen, die in einer langen Schlange vor dem Dom darauf gewartet hatten, Abschied zu nehmen. Zahlreiche Gläubige und Weggefährten des Bischofs trugen zudem ihre Gedanken und gute Wünsche für Heiner Wilmer in mehrere Gästebücher ein.
Zwischendurch übergaben die aktuelle Hildesheimer Weinkönigin und Mitglieder des Hildesheimer Weinkonvents dem Bischof zudem noch neun Flaschen Weißwein. Sie sind der Weinzehnt als Pacht für die Überlassung des bischöflichen Weinbergs im Magdalenengarten in Hildesheim. Zur Übergabe ließ das Bläserkorps St. Hubertus Hildesheim mehrere Musikstücke zu Ehren des Bischofs erklingen.
Papst Leo XIV. hat Bischof Wilmer am 26. März 2026 zum Bischof von Münster ernannt. Bischof Wilmer ist seit 2018 Bischof von Hildesheim. Bis zu seiner Einführung als Bischof von Münster am 21. Juni 2026 bleibt Heiner Wilmer Bischof von Hildesheim. Direkt im Anschluss an die Amtseinführung Wilmers in Münster hat das Hildesheimer Domkapitel binnen acht Tagen die Aufgabe, einen Diözesanadministrator zu wählen, der das Bistum Hildesheim übergangsweise leitet, bis ein neuer Bischof gewählt worden ist.
