Nachforschungen zu Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt in Heiningen
Zeitzeugen können sich bei Berufsrichter a. D. Rosenbusch und Pfarrer Eggers melden
Die Pfarrei St. Petrus in Wolfenbüttel und das Bistum Hildesheim suchen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt. Die bisher bekannten Vorwürfe richten sich gegen den verstorbenen Priester Joseph C.
Der Jesuitenpater war von 1965 bis zu seinem Tod im Jahr 1972 als Pfarrverwalter in Heiningen im Einsatz. Die Verdachtsfälle beziehen sich auf diesen Zeitraum. Weitere Einsatzorte von Joseph C. im Bistum Hildesheim waren höchstwahrscheinlich Cremlingen, Oker, Schulenburg und Münchehagen.
Über die bisher bekannten Erkenntnisse haben die Wolfenbütteler Pfarrei St. Petrus, die Bistums-Stabsabteilung Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt sowie der mit Nachforschungen in diesem Fall beauftragte Jurist und ehemalige Berufsrichter Wolfgang Rosenbusch in einem Informationsgespräch kürzlich Auskunft gegeben.
Zu der Veranstaltung am gestrigen Sonntag, 21. Juni 2026, im Gemeindesaal der Heininger Klosterkirche waren Bürgerinnen und Bürger Heiningens, insbesondere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, eingeladen.
Im Nachgang zu dem Informationsgespräch werden mögliche weitere Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gebeten, sich zu melden, wenn sie Angaben zu Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt machen können, die möglicherweise Joseph C. zuzuordnen sind.
Für Betroffene von sexualisierter Gewalt gibt es im Bistum Hildesheim professionelle Ansprechpersonen, die von der Kirche unabhängig sind. Die Kontaktdaten der Fachleute sind unter dem folgenden Link zu finden: https://www.praevention.bistum-hildesheim.de/hilfe/ansprechpersonen-fuer-verdachtsfaelle/.
Der Bischöfliche Beraterstab in Fragen sexualisierter Gewalt ist telefonisch unter (05121) 307 170 und per E-Mail unter beraterstab(ät)bistum-hildesheim.de erreichbar.
Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die Hinweise an Wolfgang Rosenbusch geben möchten, können dazu die Mobilfunknummer (0162) 156 54 94 oder die E-Mail-Adresse wolfgang.rosenbusch-heiningen(ät)e-mail.de nutzen. Bis zum 1. Juli 2026 wird außerdem der Wolfenbütteler Pfarrer Matthias Eggers im Pfarrhaus in Heiningen wohnen und zu verschiedenen Zeiten zum Gespräch zur Verfügung stehen. Pfarrer Eggers ist telefonisch unter (0170) 483 83 17 erreichbar.
Einen ersten Hinweis auf Joseph C. als mutmaßlichen Täter erhielt Pfarrer Eggers im November 2020 von einer Person aus der Pfarrei, die Kontakt zu einer Betroffenen hatte. Nachdem Pfarrer Eggers ein Jahr später bei der Bistums-Stabsabteilung Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt um Auskunft bat, begann die bistumsinterne Recherche.
Es ergaben sich daraufhin keine weiteren Tatvorwürfe, allerdings wurden Hinweise gefunden, die nach heutigen Erkenntnissen als mögliche Täterstrategien eingeordnet werden können. Die Nachfragen bei der Ordensgemeinschaft des Klerikers ergaben keine weiteren Tatvorwürfe.
Die betroffene Person stellte im April 2022 einen Antrag auf Anerkennung des Leids, der an die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen im Februar 2023 weitergeleitet und von dieser bewilligt worden ist.
Im Februar 2025 meldete sich eine weitere betroffene Person bei Pfarrer Eggers. Der Bischöfliche Beraterstab in Fragen sexualisierter Gewalt empfahl daraufhin im April 2025, eine Untersuchung einzuleiten. Im Juni 2025 beauftragte das Bistum Hildesheim den Vorsitzenden Richter am Landgericht a. D. Wolfgang Rosenbusch aus Hannover, Nachforschungen zu betreiben und mögliche weitere Betroffene zu ermitteln.
Der Jurist Rosenbusch hatte im Auftrag des Bistums Hildesheim bereits 2021 einen Untersuchungsbericht zu dem verstorbenen Geistlichen Georg M. erstellt, der sich demnach der sexualisierten Gewalt an fünf Kindern schuldig gemacht hat.
Die Taten geschahen im Zeitraum von 1980 bis 2009 an verschiedenen Orten im Bistum Hildesheim, darunter auch in der Pfarrei St. Petrus in Wolfenbüttel.
Weitere Informationen dazu sind hier zu finden: Bericht nennt Missbrauchsfälle durch verstorbenen Geistlichen Georg M. | Bistum Hildesheim

