„Irgendjemand musste die Täter ja bestrafen“

Digitale Lesung und Gespräch mit Dr. Achim Doerfer zu Erinnerungskultur, Gerechtigkeit und Versöhnung

Die Geschichte endet nicht 1945: Eine kritische Auseinandersetzung mit Justizversagen, Erinnerungskultur und den Grenzen des Versöhnungsnarrativs - Lesung und Gespräch

In der deutschen Erinnerungskultur zum Nationalsozialismus dominiert insbesondere mit Blick auf die verfolgten und ermordeten Jüdinnen und Juden das Narrativ der still leidenden Opfer sowie das Streben nach bzw. die Vorstellung von Versöhnung. Doch warum werden eigentlich keine Geschichten von jüdischem Widerstand oder gar jüdischer Rache erzählt? Und weshalb findet der vielfach völlig unzureichende Umgang mit den Täter:innen im Nachkriegsdeutschland auch heute noch so wenig Beachtung?

Ausgehend von seinem Buch „Irgendjemand musste die Täter ja bestrafen“ richtet Dr. Achim Doerfer den Blick auf die vielfältigen Formen jüdischen Widerstands während der Zeit des Nationalsozialismus und eröffnet damit Perspektiven, die gängige Opfernarrative erweitern und ergänzen. Zugleich beleuchtet er das eklatante Versagen der politischen, juristischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung nach 1945: von einer Justiz, die Täter:innen durch Amnestiegesetze und andere Mechanismen vielfach schonte, bis hin zu den Kontinuitäten des Antisemitismus, die bis in unsere Gegenwart reichen.

Kurz nach dem 9. November werden in dieser Veranstaltung erinnerungskulturelle Grundannahmen und Praktiken kritisch hinterfragt. Gemeinsam soll erörtert werden, welche Voraussetzungen eine multiperspektivische Erinnerungsarbeit benötigt und wie sie gestaltet werden kann. Dabei gerät auch der Versöhnungsdiskurs in den Fokus: Es wird aufgezeigt, wie stark dieser von christlichen Vorstellungen geprägt ist. Dem gegenüber steht das jüdische Prinzip der Teshuvah, das einen mehrstufiger Prozess von Reue, Wiedergutmachung und Umkehr meint.

Termin
12.11.2026, 18:30 Uhr
- 12.11.2026, 20:30 Uhr
Ort
digital via Zoom
Zielgruppe

Alle, die Erinnerungskultur kritisch mitdenken wollen, sowie alle interreligiös Interessierten und Engagierten

Referentin / Referent

Dr. Achim Doerfer

Leitung / Ansprechperson
Katharina Freudenberger ([email protected]), Frieda Himstedt ([email protected])
Veranstalter

Themenfeld Ökumene und Interreligiöser Dialog
Katholische Akademie des Bistums Hildesheim

Anmeldefrist
10.11.2026
Kosten

Keine

Information
Katharina Freudenberger
katharina.freudenberger(ät)bistum-hildesheim.de

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