Beten, Schweigen, Singen und einfach Leben

Taizé-Fahrt 2026

Rund 90 Jugendliche sind zusammen mit Weihbischof Dr. Martin Marahrens vom 1. bis 9. August zu Gast in Taizé.

1. Tag

Für eine Woche ist Taizé Heimat von fast 90 Jugendlichen aus dem Bistum Hildesheim mit ihren Begleitungen. Nach rund 15 Stunden Fahrt mit dem Bus sind sie am Sonntagmittag in der ökumenischen Gemeinschaft im französischen Burgund angekommen. Einige waren schon einmal hier, wissen, auf was sie sich einlassen. Andere sind Neulinge und gespannt auf das, was diese Woche ihnen bringen wird.

Gleich beim Mittagessen zeigt sich, das Essen hier ist einfach, aber sättigend. Softgetränke sucht man vergebens. Es gibt Wasser aus großen Spendern. 

Um 15.30 Uhr heißt es Zimmerverteilung. Die Zimmer sind einfach. Sechs bis zwölf Betten übereinander. Duschen und WCs gibt es in einem extra Haus. Das Leben in Taizé ist einfach. Doch schon beim ersten Abendgebet wird klar, das Wesentliche hier ist das Erleben von Gemeinschaft, vom miteinander beten und singen. Rund 4000 Menschen, vor allem Jugendliche, sind angereist, um in dieser Woche hier ihren Glauben zu leben und mit anderen zu teilen.

Nach dem Abendgebet gegen 22.30 Uhr merkt man, dass die Fahrt anstrengend war. Obwohl alle unterwegs versucht hatten, irgendwie zu schlafen, wurde es ziemlich schnell ruhig auf dem Gelände und in den Zimmern.

2. Tag

Nach Morgengebet und Frühstück starten die Jugendlichen (15 – 17) und die Jungen Erwachsenen (Ü 18) getrennt in ihre offizielle Taizé-Woche. Bibelarbeit und aktuelle Fragen rund um den Glauben stehen auf dem Programm. Schwester Jessica weist die Jugendlichen aus Deutschland, Portugal, Schweden und Frankreich in die Bibelarbeit ein. Thema ist heute die Berufung der ersten Jünger. Sie erläutert die Bibelstelle und ermuntert die Mädchen und Jungen, sich in die Rolle des Petrus, Andreas und Philippus hineinzuversetzen, zu spüren, mit welchem großen Vertrauen sie dem ihnen vorher unbekannten Jesus folgen und alles zurücklassen, ihr ganzes vorheriges Leben. „Versucht in Gesprächen untereinander, aber auch im Gebet und in der Stille Gott zu suchen“, gibt Schwester Jessica den Jugendlichen mit auf den Weg. Sie gehört dem Orden der Sisters of Saint Andrew an, der in der Nähe liegt und die Brüder in Taizé unterstützt.

In international gemischten Kleingruppen geht es weiter, die u.a. auch von den Hildesheimer Teamern begleitet werden. Die Hauptverständigungssprache ist Englisch.  Neben der Bibelarbeit übernehmen alle auch Aufgaben für die Gemeinschaft wie Kirche saugen, Müll einsammeln oder nach dem Mittagsgebet bei der Essensausgabe zu helfen. „Auch das gehört zu Taizé dazu. Hier helfen alle mit, übernehmen Dienste für die Gemeinschaft“, betont die Ordensfrau.

Am Nachmittag treffen sich noch einmal die Gruppen. Kreativität, Spiel und Gespräche stehen im Mittelpunkt. Anschließend gibt es Tee und Kakao sowie ein Info-Treffen der Hildesheimer Gesamtgruppe. Die Freizeit bis zum Abendbrot kann jeder selbst gestalten – bei einem kurzen Gewitter mit Wolkenbruch drängt sich einmal alles unter Zeltdächern, eilt in die Kirche oder ins Quartier. Aber bei der deutlich über 30 Grad herrschenden Temperatur, ist die mit dem Regen einhergehende Abkühlung eine willkommene Wohltat.

Mit Abendessen, Abendgebet und einem Besuch im Oyak, dem Kioskbereich, klingt der Tag aus und überraschend schnell kehrt Nachtruhe ein.

3. Tag

Für viele der Hildesheimer Gruppe beginnt der Tag in Taizé mit der Frühmesse. Zelebrant ist Weihbischof Dr. Martin Marahrens, der die Gruppe aus dem Bistum begleitet. Mit ihm zusammen stehen 30 katholische Priester aus verschiedenen Ländern am Altar. Auch in den Texten der Messfeier, die in unterschiedlichen Sprachen vorgetragen werden, spiegelt sich die Internationalität des Ortes wider. 

Inzwischen hat sich bei den Teilnehmenden der Wallfahrt eine gewisse Routine des Tagesablaufs verinnerlicht. Morgengebet, Frühstück, Bibelarbeit: Heute geht es um die Geschichte von Nathanel unter dem Feigenbaum. Wie Schwester Jessica sagt, ist dieser Feigenbaum ein wichtiges Symbol. „Er steht für einen Ort, an den man sich zurückziehen kann. Jeder braucht so einen Ort, wo man nachdenken kann, wo man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann, an dem man weinen darf, wo man sein aktuelles Leben überdenken kann – einen ganz persönlichen Ort, an dem man ungestört ist. Habt ihr auch so einen Ort?“

Mittags teilen die Jugendlichen das Essen mit aus. Es gibt Linseneintopf, ein Stück Baguette, eine Scheibe Käse, zwei Kekse, einen Plattpfirsich und ein Schälchen Wasser – einfach, aber sättigend.

Die Erwachsenen kümmern sich um die Waschräume und Toiletten, leeren die Mülltonnen und säubern die unterschiedlichen Gruppenräume.

In den nachmittäglichen Workshops stehen kleine Spiele auf dem Programm und Kreativität ist gefragt. 

Zur Tea-Time trifft sich die Hildesheimer Gruppe. Neben allgemeinen Infos für die nächsten Tage: Treffen mit Bruder Francis, Kurzausflug zur Abtei Cluny und für die Älteren besteht die Möglichkeit zur Begegnung mit Bruder Matthew, dem Prior der Gemeinschaft. Anschließend berichtet Weihbischof Marahrens etwas über die Geschichte der ökumenischen Gemeinschaft, über die Gründung der ökumenischen Communauté Taizé durch den Schweizer Frére Roger Schutz zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich Taizé zu dem ökumenischen Begegnungszentrum für junge Menschen. Marahrens erinnert an die beiden großen Keramiktöpfe, die in der Frühmesse konsekriert und beim Morgengebet ausgeteilt wurden. „Das ist eine mit Rom abgesprochene Einmaligkeit. Für mich generell ist Taizé so etwas wie ein Blick in die Zukunft der Kirche“, betont der Weihbischof.

Mit Abendessen und Abendgebet endet der offizielle Tag in Taizé. Wer will bleibt noch in der Versöhnungskirche, nutzt die Gelegenheit zum Gespräch mit einem der Brüder, beichtet oder singt die bekannten oder auch weniger bekannten Lieder von Taizé mit. Etliche machen auf dem Weg in die Baracken noch einen Stopp im Oyak. Besonders die südeuropäischen Jugendlichen sorgen mit Gitarren, Liedern und Tänzen für eine tolle Atmosphäre.

4. Tag

Nach der Morgenroutine geht es direkt in die Bibelarbeit. Thema ist die Hochzeit von Kana. In der allgemeinen Einleitung geht es um die Rolle von Jesus bei dieser Feier und den Beginn seines Wirkens. Aber es werden auch Parallelen gezogen, zu Hochzeitsfeiern, die wir kennen. Was ist anders? Wie wurde damals gefeiert? Schwester Jessica fragte auch nach dem Unterschied zwischen Glück und Freude. „Glück bzw. Glücklichsein ist eine temporäre nicht andauernde Emotion. Freude dagegen geht tiefer, hält länger an. „Freude kann man auch noch in schweren Zeiten in sich spüren, wenn es einem eigentlich gar nicht gut geht“, sagt die Schwester. Z.B. kann man auch beim Tod eines lieben Menschen, der einen schmerzt, Freude bei der Erinnerung an die gemeinsame Zeit empfinden.

In einer Gruppe der jungen Erwachsenen war die biblische Geschichte der Anstoß, sich über Beziehungen und Sexualität auszutauschen. Dabei standen eigene Erfahrungen im Vordergrund – positive, aber auch negative.

Nach dem Mittagessen und bis zum Beginn der nachmittäglichen Treffen nutzten etliche die Möglichkeit sich im Shop der Communauté umzusehen oder einen Spaziergang in den Ort Taizé zu unternehmen.

Aus rund dreißig Ländern sind Menschen aller Generationen zurzeit in Taizé zu Gast, als größere oder kleinere Gruppe sowie als Alleinreisende. Nach dem Abendessen rufen die Glocken sie zum Abendgebet, um zusammen mit den Brüdern der Gemeinschaft zu beten, zu singen und zu schweigen. „Zehn Minuten Schweigen ist der zentrale Punkt der drei Gebetszeiten – morgens, mittags und abends. Dieses Schweigen ist den Brüdern sehr wichtig“, erklärt Weihbischof Dr. Martin Marahrens.

 

5. Tag

Die Liturgie steht heute ganz im Zeichen der Bibelverse von der Verklärung Christi, angefangen von der Frühmesse mit Weihbischof Dr. Martin Marahrens bis hin zur Begegnung mit Prior Freré Matthew nach dem Abendgebet.  

In den Bibelgruppen geht es allerdings Nikodemus im Mittelpunkt, der einmal heimlich nachts zu Jesus kam, ihn gegenüber anderen verteidigte und schließlich seinen Leichnam zusammen mit Josef von Arimathäa bestattete. Neben der Katechese von Schwester Jessica ging es in den Kleingruppen dann darum, biblische Geschichten zum Leben zu erwecken. In Form von Bibliodramen eröffneten sich die Jugendlichen einen neuen Zugang zum Beispiel zur Geschichte vom verlorenen Sohn oder der Kreuzigungsszene mit den beiden Verbrechern, die links und rechts neben Jesus gekreuzigt wurden. 

Nach den nachmittäglichen Kleingruppen ging es mit dem Bus in das wenige Minuten entfernte Cluny, einem Ort, der sich um die Benediktinerabtei Cluny entwickelt hat. Die Abtei war im Mittelalter das einflussreichste und mächtigste Kloster in Europa.  Anfang des 10. Jahrhunderts war das Kloster Ausgangs- und Mittelpunkt der cluniazensischen Reform, einer geistlichen Reformbewegung der Kirche, die vom Klosterleben mit der strengen Einhaltung der benediktinischen Ordensregeln ausging und schließlich auch das Papsttum ergriff. Die Abtei von Cluny bekam einen weitreichenden Einfluss. Mehr als 1000 Klöster mit über 20 000 Mönchen schlossen sich der Reformbewegung an. Im 12. Jahrhundert lebten in der Abtei selbst über 400 Mönche und es gab rund 1500 Niederlassungen in Italien, Spanien, England, Deutschland, Polen und im Heiligen Land. Das Besondere der Abtei: Sie war direkt dem Papst unterstellt und so dem Einfluss weltlicher Herrscher entzogen. Die Klosterkirche galt bis zum Bau des Petersdomes in Rom als größte Kirche der Christenheit. 

Während der französischen Revolution wurde das Kloster enteignet und versteigert. Die Mönche mussten weichen und die Kirche diente zum Teil als Steinbruch für Neubauten in Cluny.

Heute kann man die Ruinen mit angeschlossenem Museum besichtigen. Hiervon machen auch einige der Hildesheimer Pilgergruppe Gebrauch. Andere gehen den Ort mit seinen kleinen Gassen, suchen die Cafés und  Bistros auf, essen Eis oder decken sich schon einmal mit Proviant für die Rückfahrt ein.

Wieder zurück in Taizé gab es nach dem Abendgebet die Gelegenheit zur Begegnung mit dem Prior der Bruderschaft, Freré Matthew. Im persönlichen Gespräch erinnert er an die einwöchige Fußwallfahrt im Juli 1988 von Bischof Josef Homeyer mit rund 40 Jugendlichen und jungen Erwachsenen von St. Jean in der Nähe von Dijon bis Taizé. Es sei das letzte Mal gewesen, dass ein deutscher Bischof zusammen mit einer Gruppe junger Menschen nach Taizé gekommen sei. „Umso mehr freue ich mich, dass nun Bischof Martin diesem Beispiel gefolgt ist und eine so große Gruppe junger Menschen aus dem Bistum Hildesheim begleitet“, sagt Freré Matthew.