Christian Wulff: Aufgabe der Kirche ist, Hoffnung zu stiften
Jahresempfang des Hildesheimer Bischofs mit mehreren hundert Gästen im Hildesheimer Dom

© Gossmann / bph
Der frühere Bundespräsident Christian Wulff (CDU) hat die Bedeutung des Christentums für ein friedliches Zusammenleben in Europa hervorgehoben. Wulff sprach am Dienstagabend vor mehreren hundert geladenen Gästen während des Jahresempfang des Hildesheimer Bischofs Dr. Heiner Wilmer SCJ im Hildesheimer Dom.
Der frühere Bundespräsident Christian Wulff (CDU) hat die Bedeutung des Christentums für ein friedliches Zusammenleben in Europa hervorgehoben. Wulff sprach am Dienstagabend vor mehreren hundert geladenen Gästen während des Jahresempfangs des Hildesheimer Bischofs Dr. Heiner Wilmer SCJ im Hildesheimer Dom.
Christinnen und Christen engagierten sich überdurchschnittlich häufig für das Gemeinwohl und im Ehrenamt, sagte Wulff während seines Vortrags in der Bischofskirche. Studien zeigten zudem, dass religiöse Menschen mehrheitlich hinter der Demokratie stünden. Kirchen seien Orte des Glaubens, der Demokratie und der Bildung.
„Die Welt ohne Religion, ohne Kirche sähe deutlich anders aus“, so Wulff, der selbst katholisch ist. „Vor allem aber wäre unsere Welt ohne die Orientierung an Nächstenliebe, Barmherzigkeit und der Würde jedes Einzelnen deutlich ärmer.“ Demut, Empathie und das Anerkennen des Anderen seien die wichtigsten Kräfte eines gelingenden Zusammenlebens.
„Wir brauchen mehr Christinnen und Christen, die sich in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben an Gott bekennen, und zwar nicht selbstgerecht, sondern klar und als Zeugnis für das, was Glaube in seinem Kern bedeutet“, forderte Wulff. Christentum sei gelebte Nächstenliebe.
Vor dem Hintergrund, dass der Nationalismus zurückkehre und radikales, rassistisches Denken um sich greife, sei jede und jeder verantwortlich für die Gesellschaft, „in der wir und unsere Kinder leben wollen“. „Wir müssen uns positionieren“, sagte der frühere Bundespräsident. Das Gefährliche für eine Demokratie sei Gleichgültigkeit. Demokratie lebe vom Mitmachen, nicht vom Zuschauen. Deshalb sei es wichtig, aus dem Krisenmodus heraus und in eine aktive Haltung hineinzukommen, sich hingebungsvoll für unsere Gesellschaft zu engagieren und optimistischer in die Zukunft zu gehen, konstatierte das ehemalige Staatsoberhaupt.
Aufgabe der Kirche ist es nach den Worten Christian Wulffs, Hoffnung zu stiften. Dabei komme die Hoffnung „nicht als fertige Lösung, sondern als Kraft, die uns innerlich aufrichtet“.
Vor Wulffs Rede hatte Bischof Wilmer mit seinen Gästen aus Politik, Gesellschaft, Ökumene, Polizei, Justiz, Bundeswehr, Wirtschaftsverbänden, Kirche, Ökumene und interreligiösem Dialog eine Vesper gefeiert. In seiner Predigt ging der Bischof auf den berühmten Satz Jesu aus dem Johannesevangelium ein: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ (Joh 14,27-31a)
Angesichts einer Wirklichkeit mit Unruhe, Spannungen und Unsicherheit sei dies ein starker und zugleich herausfordernder Satz, so Wilmer. Der Frieden, von dem Jesus spreche, sei kein bequemer Zustand, kein Rückzug aus der Welt. „Es ist ein Frieden, der standhält. Mitten im Druck. Mitten in offenen Fragen. Ein Frieden, der nicht davon lebt, dass alles geklärt ist – sondern dass wir uns nicht verlieren.“
Vielleicht sei das heute entscheidend, „dass wir uns nicht verlieren. Nicht in der Lautstärke der Debatten. Nicht in der Schnelligkeit der Urteile. Nicht in der Versuchung, nur noch in Lagern zu denken.“
Frieden beginne oft leise, so der Bischof. Er beginne dort, wo ein Mensch dem anderen zutraue, mehr zu sein als seine Meinung. Wo jemand stehen bleibe, zuhöre, widerspreche, ohne abzuwerten. Wo Verantwortung übernommen werde für unser Land, für Europa, für das Miteinander, das uns trage. Bischof Wilmer betonte: „Frieden ist kein Zustand, auf den wir warten. Frieden ist eine Entscheidung, die wir treffen.“
Der Hildesheimer Bischof äußerte sich während des Empfangs auch zu seinem bevorstehenden Abschied aus dem Bistum Hildesheim. Am 21. Juni wird er in sein neues Amt als Bischof von Münster eingeführt. „Die Entscheidung, dem Ruf nach Münster zu folgen, ist mir nicht leichtgefallen. Ich gehe mit Dankbarkeit – und mit schwerem Herzen.“
Bischof Wilmer dankte den Anwesenden für das gemeinsame Engagement und Eintreten für die Menschen im östlichen Niedersachsen. „In einer Zeit wachsender Unsicherheit braucht unser Land keine müden Institutionen, sondern Menschen und Kräfte, die Verantwortung füreinander übernehmen. Wo demokratische Kultur, Respekt und Menschenwürde unter Druck geraten, kommt es auf klare Haltung an.“
Er könne uns alle nur ermutigen, dieses Zusammenstehen und diese Zusammenarbeit fortzusetzen und da, wo es nötig sei, das gemeinsame Ringen noch zu intensivieren. Er gehe in dem Wissen, dass das Bistum Hildesheim in Niedersachsen ein wichtiger gesellschaftlicher Akteur bleibe.


