Mut zum „Dennoch“
Interview mit Weihbischof Dr. Martin Marahrens zur Firmaktion des Bonifatiuswerkes 2026
Warum junge Menschen heute mehr als Optimismus brauchen und was echte Hoffnung und starke Fundamente ausmachen. Der Hildesheimer Weihbischof Dr. Martin Marahrens spricht im Bonifatiuswerk-Interview über die Bedeutung der Firmung, die Herausforderungen einer komplexen Welt und den Mut junger Menschen, Kirche neu zu beleben. Die Fragen stellte Theresa Meier.
Sie haben Ende Februar die Bischofsweihe empfangen. Welche Akzente möchten Sie nun als Weihbischof in der Arbeit mit jungen Menschen setzen?
Weihbischof Dr. Marahrens: Mir geht es zunächst darum, Interesse zu zeigen und möglichst absichtslos zuzuhören, was junge Menchen beschäftigt: Was sind ihre Ängste, Sorgen und Nöte? Worüber freuen sie sich und wovon träumen sie? Ein solches ehrliches und unaufdringliches Interesse am Menschen scheint mir die beste Weise zu sein, heute das Evangelium authentisch zu bezeugen.
Das Bonifatiuswerk stellt seine diesjährige Firmaktion unter das Motto „#BaustelleLeben“. Was verbinden Sie mit diesem Bild und was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die das Gefühl haben, dass bei ihnen noch vieles „im Bau“ ist?
Weihbischof Dr. Marahrens: Ich hatte einen Onkel, der als Bauleiter viele Brücken gebaut hat. Von ihm habe ich gelernt, dass es bei jedem Bau entscheidend auf das Fundament ankommt. In diesem Sinn würde ich jungen Menschen gern vermitteln, dass in jeden von uns eine Stimme gelegt ist, die sagt: ‚Ich will, dass du bist.‘ Diese Stimme ist leise - sie will entdeckt werden. In unserer lauten Welt ist das eine eigene Kunst, besonders für Menschen, die in der Kindheit und Jugend belastende oder schwere Erfahrungen machen mussten. Wenn es jedoch gelingt, für diese Stimme ein Ohr zu entwickeln, ist dies das beste Fundament für das Leben - ein Leben, das immer seine Baustellen hat.
Die Firmung als Sakrament der Stärkung: Worin brauchen junge Menschen Ihrer Meinung nach heute am meisten Stärkung?
Weihbischof Dr. Marahrens: Unsere Welt ist heute unübersichtlich und komplex. Da kann schnell der Eindruck entstehen, den Verhältnissen hoffnungslos ausgeliefert zu sein und selbst nichts bewirken zu können. Entsprechend brauchen junge Menschen vor allem Hoffnung; nicht im Sinne eines bloßen Optimismus, sondern als Kraft des „Dennoch“ auch jenseits unserer eigenen Möglichkeiten.
Wenn Sie an Ihre eigene Firmung zurückdenken: Welche Eindrücke sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben und wie hat der Empfang dieses Sakramentes Ihren Lebens- und Glaubensweg beeinflusst?
Weihbischof Dr. Marahrens: Zugegebenermaßen ist mir die Firmung weniger eindrucksvoll in Erinnerung als die Erstkommunion. Für mich war sie vor allem ein bewusster Schritt auch öffentlich zu bekennen, dass ich an Gott glaube und als Christ meinen Lebensweg gehen möchte.
Was wünschen Sie sich von jungen Menschen für die Zukunft der Kirche und was sollte die Kirche umgekehrt von ihnen lernen?
Weihbischof Dr. Marahrens: Ich habe den Eindruck, dass sich wieder mehr junge Menschen auf der Suche nach echter Substanz für ihr Leben auch für den christlichen Glauben interessieren und sich vom Evangelium begeistern lassen. Hier wünsche ich mir, dass sie unseren manchmal recht freudlosen und eingefahrenen Kirchenalltag mit ihren Fragen und ihrem Enthusiasmus stören. Nicht zuletzt könnte die Kirche so lernen, ihre spirituellen Traditionen als einen ihr anvertrauten Schatz neu zu entdecken.

