Das Bistum auf dem Katholikentag: Zukunftsräume zwischen Regen und Aufbruch

Die Katholik:innen zeigen bei ihrem Treffen in Würzburg: Viel ist in Bewegung. Unter dem Motto „Hab Mut – steh auf!“ diskutieren die Besuchenden bei Regenschauern und Aufbruchsstimmung wie sie Kirche und Gesellschaft zukunftsfähig machen – auch im Bistum Hildesheim.

Auf der Zugfahrt nach Würzburg prasseln Regenschauer auf die Landschaft. Es scheint das normale Wetter für Katholikentage zu sein – war es vor zwei Jahren in Erfurt doch schon ähnlich nass. Es bleibt also alles beim Alten?

"Hab Mut - steh auf" grüßen die Fahnen jedoch schon beim Ausstieg am Bahnhof. Und darum geht es in den Zelten am Main-Ufer, im Kongresszentrum und auf den Plätzen in der Altstadt – um Veränderung in Weltpolitik, Erdklima, Gesellschaft und Kirche, um Loslassen, Verantwortung übernehmen, Mitgestalten und viele, viele Engagierte.

„Ich merke, wie sehr dieses Motto, diese Aufforderung verbindet", sagt Christiane Müßig. "Man könnte ja denken, das ist völlig deprimierend, über all diese Herausforderungen zu sprechen, aber im Gegenteil: Es ist bestärkend, hier mit so vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, und zu erleben, dass wir uns mit denselben Themen beschäftigen.“

Christiane Müßig leitet zusammen mit Olga Kraus das Programm „Zukunftsräume“ im Bistum. Und diese Zukunftsräume sind auch das diesjährige Thema am Stand vom Bistum Hildesheim und dem Diözesanrat der Katholik:innen. „Auch hier geht es darum, dass sich die Menschen in ihren Gemeinden gerade mutig den Veränderungen stellen und sich damit beschäftigen, wie es weitergeht“, sagt Dr. Christian Heimann, Vorsitzender des Diözesanrates.

Das beschäftigt auch die Besuchenden am Stand, gibt es doch an den allermeisten Orten weniger Haupt- und Ehrenamtliche, weniger Gottesdienstbesuchende, leere Kirchen und Pfarrheime. „Ihr seid uns ja 10 Jahre voraus“ bemerkt ein Besucher aus Passau. Und Stephanus Hillmann aus der Kirchenverwaltung Heilig Kreuz Erlangen wünscht sich: „Ich hätte für unsere Gemeinde auch gerne so einen strukturierten Prozess, der Verluste umwandelt in Zukunftsaussichten“ und ergänzt noch „Kommt uns doch bitte mal besuchen und erzählt davon“.

Für Benedikt, 9 Jahre, steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Er bastelt aus den Legosteinen am Stand seine Zukunftsräume mit Hamburger-Küche und Speiseraum, wo alle zum Essen zusammenkommen.

Eine Besucherin freut sich über die Praxisideen für den Garten, den sie sich in ihrer Gemeinde mit allen Nachbarn teilen. „Hier ist die Verabredung, dass alle sich auch Blumen pflücken oder Obst und Gemüse mit nachhause nehmen können. Aber dafür muss man sich auch am Aussäen oder Gießen beteiligen.“ Und stellt fest: „Was uns bis jetzt noch fehlte, waren Ideen, wie wir auch die Kinder aus der Schule und Kindergarten nebenan einbeziehen können oder wie wir kleine Gottesdienste dort im Grünen abhalten können.“

Raum für Gemeinsames ist auch das Anliegen von Ute Giesen aus Ginderich vom Niederrhein: „Wir konnten unser Pfarrheim nicht mehr nutzen und unsere Dorfschule schloss. Da haben wir diese eigentlich traurigen Gelegenheiten genutzt und haben uns mit unterschiedlichsten Menschen aus Dorf und Gemeinde zusammengetan und haben das Projekt Dorfschule gegründet. Das ist jetzt ein richtiges Gemeinschaftshaus für vielfältigste Veranstaltungen und Begegnungen geworden.“

„So ziehen bereits viele gerade Bilanz oder sind schon mitten im Prozess: Wo stehen wir, wovon müssen wir uns verabschieden, was wollen wir bewahren und wo können wir uns mit anderen aktiven Menschen vor Ort zusammentun. So stellen wir uns jetzt für die Zukunft gut auf und können weiterhin die Kirche sein, die uns wirklich wichtig ist“, fast Christiane Müßig am Ende des Tages zusammen.

Auf der Rückfahrt fällt auf, wie schön grün draußen die Wiesen und die Wälder sind. Es stimmt – ohne Niederschlag gibt es keinen grünen Mai. Und ohne Abschied nichts Neues. Oder: Regen bringt Segen und sich regen auch.

Zukunftsräume im Bistum Hildesheim
In etwa zweijährigen Prozessen, die alle 119 Kirchengemeinden im Bistum Hildesheim durchlaufen, erarbeiten engagierte Menschen vor Ort ihre zukünftige inhaltliche Ausrichtung. Dabei berücksichtigen sie auch die vorhandenen Ressourcen, die sie vor Ort haben. Zugleich prüfen sie, welche Räume sie dafür in Zukunft benötigen.