Was tun gegen Hitzetage im Bistum?
Schattige Gartenplätze, Strom vom eigenen Dach und eine Auszeit in der Natur helfen
Gerade gibt es eine kurze Temperatur-Verschnaufpause, aber in den vergangenen Tagen war es auch im Bistum kaum auszuhalten heiß: Städte und Gemeinden meldeten nie dagewesene Hitzespitzen von um die 40 Grad. In vielen Räumen staute sich die Hitze auf über 30 Grad, es kühlte sich auch nachts nicht mehr ab, Ventilatoren waren ausverkauft. Im Harz brannte der Wald, Fahrbahnbeläge lösten sich. Unser Grundwasser schwindet, der Städte- und Gemeindebund drängt auf Schutzmaßnahmen und Wassersparen. Die Folgen der Klimaüberhitzung sind nun massiv auch bei uns zu spüren. Wir fragen den Umweltbeauftragten Dr. Dr. Dirk Preuß, was im Bistum gegen diese Hitzetage und für die davon belasteten Menschen getan wird.
Herr Dr. Preuß, wie haben Sie die Hitzetage erlebt und wo haben Sie sich aufgehalten, um der über dem Bistum hängenden Glutglocke zu entfliehen?
Ende der Woche war es im Büro unter dem Dach des Bischöflichen Generalvikariats am Domhof in Hildesheim schon sehr gemütlich. Da mein Thermometer bei 32°C aufhört, weiß ich gar nicht, wie warm es wirklich war. Aber wenigstens wurde der Kaffee nicht mehr kalt. Deshalb habe ich mich nachmittags auch ins Erdgeschoss gesetzt, wenn ich nicht gerade telefonieren musste oder in einer Videokonferenz war. Im Sportverein hatten wir entschieden, die Trainings-Veranstaltung am Sonntag dennoch durchzuführen. Extremwetter werden das neue Normal sein. Da kann man sich jetzt schon einmal daran gewöhnen …
Was macht das Bistum Hildesheim, um diese zunehmenden Hitzetage einzudämmen?
Zurückschrauben lässt sich die globale Klimaerhitzung ja zu unseren Lebzeiten nicht mehr. Das CO2, das die Menschheit in den vergangenen 50 Jahren zu viel emittiert hat und das die jetzigen hohen Temperaturen befördert, wird in den kommenden 50 Jahren auch noch in der Atmosphäre sein. Deshalb geht es jetzt darum, nicht noch höhere Temperaturen zu bekommen. Und das wird nur funktionieren, wenn wir unseren Ausstoß an Treibhausgasen umgehend auf null senken. Als Bistum wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, indem wir bei unseren Gebäuden, beim Verkehr etc. möglichst schnell CO2-neutral werden.
Und wie macht das Bistum das?
Zum einen und vor allem im Rahmen des Prozesses Zukunftsräume, den alle Gemeinden im Bistum durchlaufen. Wird dort entschieden, dass Gebäude im Bestand und in der Finanzierung des Bistums bleiben, und wird das Gebäude renoviert und/oder müssen die Heizungsanlagen ausgetauscht werden, wird das Gebäude auch energetisch auf Vordermann gebracht: durch bessere Dämmung, etwa der oberen Geschossdecke oder den Austausch alter Fenster und hauptsächlich durch den Verzicht auf Heizungen, die mit fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas betrieben werden. Zum anderen gibt es – um ein anderes Beispiel zu nennen – bei Dienstwagen mittlerweile die Möglichkeit, ein reines E-Fahrzeug zu wählen.
Anbei bemerkt werden wir dadurch zugleich unabhängig von Öl und Gas, was angesichts der weltpolitischen Lage nicht zu verachten ist. Wenn wir dann noch über die Photovoltaik auf dem Dach einen Teil unseres Strombedarfs selbst erzeugen, sparen wir langfristig richtig viel Geld.
Auf die Weltlage kommen wir noch zu sprechen. Aber haben Sie zunächst als Biologe noch ganz konkrete Tipps, wie ich auch meinen Garten oder Plätze in unserer Gemeinde schattiger und kühler gestalten kann?
Klar! Bei diesem Wetter merkt man, wie gut Bäume, Sträucher oder eine Fassadenbegrünung tun. Die Pflanzen verdunsten Wasser und kühlen dadurch ihre Umgebung ab, zugleich spenden sie Schatten, in dem man sich gerne aufhält – sei es während einer Andacht draußen oder beim geselligen Teil des Pfarrfestes. Welche Bäume und Sträucher empfehlenswert sind, dass eine Blühwiese bei Hitze viel länger durchhält als der klassische Rasen oder wie man Wasser für die trockenen und heißen Wochen sammeln kann, haben wir im Detail übrigens in den Praxisideen Biologische Vielfalt beschrieben.
Von der Hitze sind ganz besonders auch alte Menschen, Kinder, Menschen ohne Obdach betroffen. Gibt es da Beispiele aus dem Bistum, wie diese Menschen unterstützt werden?
Zum Glück viele! Alte Kirchgebäude gehören im Sommer zu den kühlsten Räumen und zahlreiche Gemeinden, insbesondere mit Innenstadtlage, wo es besonders heiß wird, öffnen ihre Kirchen (oder halten sie offen) für Menschen, die sich erholen müssen. Pfarreien beteiligen sich an den Maßnahmen ihrer Kommunen oder nehmen am Hitzeaktionstag teil. In Hannover wurde vor der Basilika in diesem Jahr ein Trinkwasserbrunnen durch Propst Wolfgang Semmet eingeweiht und gesegnet, die Caritas kümmert sich um wohnsitzlose Menschen, die nicht nur bei Kälte, sondern eben auch bei Hitze besonders gebeutelt werden und gefährdet sind.
In der Aufzählung nicht vergessen sollte man übrigens auch die chronisch Kranken bei uns um die Ecke und all die Menschen im globalen Süden, die sich noch schlechter als wir im hochtechnologisierten Norden vor den Auswirkungen der Klimaerhitzung schützen können. Da wird einem bewusst: die Nächstenliebe fängt schon beim Klimaschutz an.
Viele Menschen fühlen sich von der Bedrohung durch die Klimakrise und ihren Auswirkungen sowie den derzeitigen vielfältigen anderen überlappenden Krisen überfordert. Sie hatten die politische Großwetterlage angesprochen. Welche Angebote können wir da machen?
Oh, das ist eine komplexe und vielschichtige Frage, auch davon abhängig, wer mit „wir“ gemeint ist. Über das Bistum verteilt, gibt es ja viele tolle geistliche Angebote, die innere Orientierung bieten, stärken und einem Gefühl der Überforderung vorbeugen. Dass diese zum Beispiel an der Nordseeküste oder in der Heide im Freien stattfinden, ist kein Zufall, denn aus vielen wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass uns die Natur Kraft, Energie und Gesundheit zurückgibt, wenn wir uns in ihr achtsam aufhalten. Wer hier weitere Inspiration sucht, kann z.B. die Grüne Gemeinde in Hannover besuchen oder deren Praxisideen zu Hause bei sich in der Pfarrei oder Einrichtung ausprobieren.
„Wir“ als Umweltteam versuchen beispielsweise, Begleiterin für engagierte Menschen im Umwelt- und Klimaschutz zu sein, bieten mit Kooperationspartnerinnen schöpfungsspirituelle Auszeiten in der Natur an oder machen Angebote zur Stärkung der eigenen Resilienz.
Aber auch das erscheint mir abschließend noch wichtig zu sagen: Wir dürfen nicht damit rechnen, dass diese multiplen Krisen verschwinden werden. Dass wir in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg ein paar glückliche, krisenarme Jahrzehnte genießen durften, ist historisch die große und gnadenreiche Ausnahme gewesen. Wir müssen uns vielmehr darauf einstellen, dass diese Zeit vorbei ist. Das heißt aber nicht, verzagen zu müssen: Denken Sie beispielsweise nur an heilige Birgitta von Schweden: Der Hundertjährige Krieg herrscht in Europa, die Pest wütet, in der Kirche sieht es düster aus – und trotzdem verliert sie nicht den Mut und macht, was sie kann. Die Heiligen können uns hier echtes Vorbild sein!
Interview: bph/Frauke Stockhorst
Zur Person: Dr. Dr. Dirk Preuß ist Theologe und Biologe. Er ist Leiter des Umweltteams im Bistum Hildesheim und des Prozesses Schöpfungsgerecht 2035.

