Kirche. Macht. Frauen sichtbar
„Sichtbarkeit von Frauen in der Kirche – und Selbstbestimmung statt Manipulation“ war das Thema
des 5. Diözesanweiten FrauenForums in Hildesheim
Rund 60 Frauen aus dem Bistum Hildesheim sind zum 5. Diözesanweiten Frauen- Forum nach Hildesheim gereist. Sie sind auf der Suche nach Impulsen für den beruflichen Alltag, für das ehrenamtliche Engagement oder für ihren persönlichen Glauben. Nicht zuletzt geht es bei dem Treffen um die stärkende, mutmachende Wirkung weiblicher Solidarität. „Das ist ein ganz wichtiges Format, weil Frauen hier ein Forum für aktuelle Themen haben und miteinander in die Diskussion kommen“, sagt eine Teilnehmerin. „Es ist wichtig, sich mit der Rolle der Frauen in der Kirche kritisch auseinanderzusetzen.“ Eine andere ergänzt, was viele hier umtreibt: „Die Kirche wird von Frauen getragen, aber sie haben zu wenig Mitspracherecht.“
„Kirche. Macht. Frauen sichtbar.“ lautet das Thema des Treffens, das in Räumen des Dommuseums und der Katholischen Erwachsenenbildung stattfindet. Organisiert wurde das FrauenForum von einem Team: Martina Manegold-Strobach, Jutta Weigert und Angelika Kleideiter aus Hildesheim, Christiane Kreis aus Wolfenbüttel, Angelika Domdey aus Bremerhaven und Jutta Golly-Rolappe aus Hannover.
Referentin Philippa Haase, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Regensburg, spricht darüber, wie Frauen ihre spirituelle Selbstbestimmung gegen manipulative Strukturen und Sprache behaupten können, und findet zu ihrem Publikum sofort eine Verbindung. Allzu lange seien Opferbereitschaft, Leiden, Geduld und Unterordnung als weibliche Stärken dargestellt worden, so Haase: „Viele Frauen tragen Kirche real, aber strukturell bleiben sie begrenzt“, sagt die Theologin.
Anhand von Beispielen aus dem Internet zeigt sie, dass traditionelle Rollenzuweisungen in den sozialen Medien wieder gezielt beworben werden: Da wird Glaube als Allheilmittel dargestellt, das sogar äußere Schönheit bewirkt. Das dekorativ gestaltete Zuhause orientiert sich an Kirchenschmuck und liturgischen Gewändern. Junge Frauen inszenieren sich in Weiß, mit Rosenkranz und hingebungsvollem Blick. Und im Plauderton wird jungen Menschen vorgeschwärmt von einer Ehe, in der sich die Frau dem Mann unterordnet, sich freudig um Haushalt und Kinder kümmert, und die wichtigen Entscheidungen ihm überlässt. Philippa Haase rät zum Schutz vor Manipulation dazu, Traditionen und Narrative am Evangelium zu messen: „Das Evangelium macht Menschen frei, es macht sie nicht klein.“
Neben Haases Referat gehören zum Programm des Forums verschiedene Workshops. Da geht es um Vorbilder starker Frauen in der Geschichte und in der Bibel oder selbstgebastelte Engel-Anhänger als Mutmacher, um Stimmübungen und nonverbale Kommunikation, um Gemeinschaft und den Austausch miteinander.

