Synodaler Weg im Bistum Hildesheim

(Ein) Synodaler Tag im Bistum Hildesheim

Die Veranstaltung wird aufgrund der Corona-Krise auf einen späteren Termin verschoben. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ und der Vorsitzender des Diözesanrates, Dr. Christian Heimann, haben einen Brief an Interessierte und bereits für den Tag Angemeldete geschrieben: 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,

Sie haben sich für den Synodalen Tag im Mai in Hildesheim angemeldet, oder Ihr Interesse in Bezug auf den gesamten Synodalen Weg in Deutschland bekundet. Wir danken Ihnen dafür und freuen uns auf die nächsten möglichen Schritte dieses gemeinsamen Weges.

Unterbrochen wurde unser Gehen, oder vielmehr schon der Beginn hier im Bistum durch die Herausforderungen dieser besonderen Zeit: Wie Sie wissen, mussten wir den (ersten) Synodalen Tag am 2. Mai auf unbestimmte Zeit verschieben. Die Corona-Pandemie macht es uns weiterhin auch in absehbarer Zukunft schwer, die bisherigen Pläne synodaler Veranstaltungen vor Ort umzusetzen. Die gesellschaftliche Verantwortung unserer Kirche gebietet einen achtsamen Umgang in Bezug auf die Organisation größerer Zusammenkünfte von Menschen, die zudem in unserem Fall auch zum großen Teil Risikogruppen angehören.

Deswegen war es uns an dieser Stelle wichtig, in dieser Form mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Wichtig, weil uns etwas an den Inhalten und Fragen liegt, die im Zusammenhang mit dem Synodalen Weg zu diskutieren sind. Wichtig aber auch, weil die Form des Dialogs selbst ein fundamentaler Schritt auf dem gemeinsamen Weg ist: Das Ringen um die Fragen nach der Zukunft der Kirche muss ein Gemeinsames sein. Dies macht uns derzeit auch zurückhaltend, diözesanweite abgeleitete kleinere Formate zu initiieren, die vielleicht den Hygieneansprüchen gerecht, es jedoch möglicherweise schwer machen würden, ein gemeinsames Bild zu entwickeln.

Wir möchten Sie deshalb dazu ermutigen, in den Kontexten, Gruppen und Netzwerken, in denen Sie jetzt konkret sind und arbeiten, in einer aktuell angemessenen Weise weiter an den Themen des Synodalen Weges zu arbeiten, den Austausch und Dialog zu suchen – eben schon jetzt unter diesen besonderen Herausforderungen verantwortlich Synodalität zu leben.

Sobald sich diözesanweite, neue Perspektiven ergeben, und verantwortlich benennen lassen, spätestens aber im Herbst werden wir uns erneut bei Ihnen melden.

Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihre Beharrlichkeit.
Mit vielen Grüßen und den besten Wünschen,

+ Heiner
Bischof von Hildesheim

Dr. Christian Heimann
Vorsitzender des Diözesanrates

Der Synodale Weg im Bistum Hildesheim

Dr. Thomas Scharf-Wrede, Direktor des Bistumsarchivs Hildesheim, erklärt den Synodalen Weg für das Bistum Hildesheim.

Was ist der Synodale Weg?

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland erlebt eine Zeitenwende: Nicht nur strukturelle Veränderungen machen darauf aufmerksam. Die Veröffentlichung der sogenannten MHG Studie im September 2018 und ihre Nachbearbeitung in Bezug auf sexualisierte Gewalt sowie Machtmissbrauch in der Kirche zeigen, wie grundlegend Wege in die Zukunft reflektiert werden müssen. Dazu zeigt sich immer deutlicher die missionarische Herausforderung in der heutigen Gesellschaft.

Im März 2019 haben die deutschen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung in Lingen beschlossen, sich gemeinsam und mit anderen auf einen Synodalen Weg zu begeben und Reformen anzustoßen. Der Synodale Weg wird von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkommitee der deutschen Katholiken (ZdK) getragen und basiert auf einer eigenen Satzung. Gegenüber einer Synode, die kirchenrechtlich klar bestimmt ist, erlaubt der synodale Weg einerseits mehr Freiheiten, zum Beispiel in der Besetzung der Versammlung, die neben Bischöfen nun auch andere Mitglieder kennt. Andererseits muss ein solcher Weg in seiner rechtsbindenden Kraft eine eigene Form finden, denn die Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten zunächst von sich aus keine Rechtswirkung. Dies muss der jeweilige Ortsbischof im Rahmen seiner Rechte und Pflichten letztentscheiden.  

Der Synodale Weg in Deutschland hat am ersten Advent 2019 begonnen. Der Gesamtprozess ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Das zentrale Organ des Prozesses ist die Synodalversammlung mit ca. 230 Mitgliedern, die sich zu vier großen Plenarsitzungen in Frankfurt/Main treffen. Die Versammlung setzt sich aus den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und aus Vertreterinnen und Vertretern des Zentralkomitees zusammen. Hinzu kommen weitere Personen- und Berufsgruppen, die in ihrem Wirken an der Sendung der Kirche beteiligt sind oder wichtige Perspektiven zu bestimmten Fragestellungen eintragen können. Die thematische Vorarbeit der Vorlagen geschieht durch vier Synodalforen. Die Themen dieser Foren sind: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“, „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, „Priesterliche Existenz heute“ und „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“. 


Den Synodalen Weg unterstützen

Zum Zeichen seines Interesses am Synodalen Weg kann sich jede und jeder Interessierte auf der Internetseite zum Synodalen Weg in eine Liste eintragen und mit einem Porträt-Foto seine Unterstützung bezeugen. Auch das Gebet für den Synodalen Weg ist sicherlich hilfreich.

Wer vertritt das Bistum beim Synodalen Weg?

Als Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz nehmen Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (58) und die Weihbischöfe Nikolaus Schwerdtfeger (71) und Heinz-Günter Bongartz (64) an der Synodalversammlung teil. Der Hildesheimer Dechant Wolfgang Voges (63) vertritt den Hildesheimer Priesterrat bei den Beratungen, der hannoversche Lehrer Winfried Quecke (60) den Diözesanrat. Dr. Maria Flachsbarth (56) nimmt als Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes an der Versammlung teil. Andrea Fischer (60) wurde von der Deutschen Bischofskonferenz berufen. 

Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ
Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger
Weihbischof Heinz-Günter Bongartz
Domkapitualar Wolfgang Voges
Winfried Quecke
Dr. Maria Flachsbarth
Andrea Fischer

Welche Erwartungen hat der Diözesanrat der Katholik*innen?

Im Interview der KirchenZeitung betont Winfried Quecke, der für den Diözesanrat im ZdK ist und das Bistum in der Versammlung vertritt, dass die hohe Zahl an Klerikern deutlich mache, dass die Versammlung keine realistische Abbildung der Kirche sei. Gerade über die Diözesanräte seien aber überwiegend Menschen vertreten, die beruflich nicht bei der Kirche beschäftigt, aber engagiert in Pfarrgemeinden, Verbänden oder geistlichen Gemeinschaften sind. 

Auch die Ein-Drittel-Sperrminorität der Bischöfe bei Beschlüssen sieht Quecke kritisch. Wenn daran eine mehrheitlich getragene Vorlage scheitere, sei dies faktisch das Ende des Prozesses. "Alle Bischöfe sollten sich hier ihrer Verantwortung bei der Stimmabgabe sehr bewusst sein", sagt Quecke. 

Winfried Quecke, Miriam Albers und Kathrin Brauner vertreten den Diözesanrat im ZdK. Foto: ZdK